Traditionalismus, Nationalismus und Antisemitismus im Nahen Osten 1945 bis heute

Die deutsche Nationalbewegung auf ihrem antiwestlichen Sonderweg wollte über die Rückbesinnung auf die romantisch verklärte germanische und mittelalterliche Geschichte, die romantisch verklärten hiesigen Traditionen, Sitten und Gebräuche, über die Rückbesinnung auf germanisch-barbarische Urkräfte die Zukunft einer reaktionär modernen, einer bloß industriell-technisch, bloß bürokratisch modernen Nation gewinnen, ohne Humanismus, gegenaufgeklärt, apolitisch, antidemokratisch, völkisch. Anlangte diese Nationalbewegung im preußisch-deutschen Militarismus („Blut und Eisen“), im Nazifaschismus („Blut und Boden“, „Hart wie Kruppstahl“).
Auch die arabischen Nationalbewegungen, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden waren, deren völkische Nationsvorstellungen von der deutschen Romantik inspiriert waren (Dawisha), die sich vor und während des Zweiten Weltkriegs an die Seite des „Dritten Reichs“ gedrängelt hatten (Beattie, Choueiri, Rössel, Himpele), wollten über die Rückbesinnung auf die romantisch verklärte arabische Geschichte, die romantisch verklärten arabischen Traditionen, Sitten und Gebräuche, über die Rückbesinnung auf die kriegerischen Tugenden des goldenen arabischen Zeitalters zu einer reaktionär modernen, einer bloß industriell-technisch, bloß bürokratisch modernen Nation gelangen – ebenfalls ohne Humanismus, gegenaufgeklärt, apolitisch, antidemokratisch, völkisch.
An Beispielen aus Libyen, Libanon, den arabisch-palästinensischen Gebieten, dem Irak soll der Traditionalismus, wie er im Nahen Osten nach 1945 fortwucherte, vergegenwärtigt werden. Es geht um Muammar al-Gaddafi, der als Machthaber Libyens demonstrativ in einem Beduinenzelt gewohnt hat, der auch bei internationalen Anlässen in seinem Zelt residieren wollte, so bei UNO-Konferenzen in New York, bei Treffen der Arabischen Liga in Beirut, der nicht selten historisch anmutende, traditionell-herrschaftliche Gewänder trug. Mit solchem traditionalistischen Gebaren sollte auf die „Degeneration des Westens“ hingewiesen, das eigene Volk vor „schädlichen Einflüssen“ bewahrt werden. (Prochazka)
Es geht um die Einschränkung und Begrenzung des sozialen Lebens der Frauen christlich-arabischer Dörfer des Libanons auf das Haus, die Haushaltsführung, die Versorgung der Männer. Frauen „standen sehr früh auf, lange vor sechs Uhr, um ihren Männern … Frühstück zu machen. … Solange ihre Männer im Haus waren, waren sie ganz für sie da; … Ihr Leben (das der Frauen) spielte sich, abgesehen vom Beruf, einzig zu Haus ab. Nie hätten sie es gewagt, in ein Restaurant zu gehen … Das wäre so ungehörig gewesen, daß sie nicht nur ihren eigenen, sondern auch den Ruf ihrer ganzen Familie geschädigt hätten.“ Waren die Männer zur Arbeit, bestand das Leben der nicht berufstätigen Frauen, derjenigen Frauen, die daheim blieben, aus dem Idiotismus von Haus- und Näharbeit, Kaffeeklatsch und Kaffeesatzleserei. (Hottinger)
Es geht um den Libanon als einer Ansammlung religiös abgegrenzter, widerstreitender, von Erb-Oberhäuptern beherrschter Stammesverbünde. Dies am Beispiel der Drusen, ihres vom Clan der Jumblati dominierten Zweigs. „ … derartige Verhältnisse von Klient und Patron … waren im Libanon so dominierend, daß die gesamte innere Politik und sogar alle inneren Kriege der späteren Jahre durch sie bestimmt waren … die große Mehrzahl der Libanesen heiratete innerhalb ihrer Religionsgruppen und baute (dort) Verwandtschaften auf … sie unterstellten sich einem Chef oder Führer aus ihrer eigenen Gruppe.“ Solcher Traditionalismus „war (und ist) stärker als der Zusammenhalt von Gesinnungs- und Interessengemeinschaften (soweit solche überhaupt je zustande kamen), auf denen eine Partei im europäischen Stile beruht.“ (Hottinger)
Es geht um die rückständige, feudal-patriarchale, durch Clanloyalität („Hamula“), Clanhierarchien („Scheichs“), „Familienehre“, „Schande“ und „Vergeltung“ gekennzeichnete traditionelle Lebensweise der ländlichen arabisch-palästinensischen Bevölkerung. (Ortlieb) „Ein zentrales Element im traditionellen Wertesystem der palästinensischen Gesellschaft war das Konzept der ‚Ehre’. Dieses erstreckte sich auf das soziale Gefüge der gesamten Hamula. … gegenseitige Überwachung … patriarchale Verhältnisse, in denen sich die Männer legitimiert fühlten, jegliche (insbesondere die sexuelle) Kontrolle über die Frauen auszuüben: ‚Jede Abweichung von der sozialen Konformität brachte Schande über die gesamte Gemeinschaft und wurde mit Vergeltung bestraft.’ … das Konzept der ‚Ehre’ … dehnte sich als bestimmender Faktor auf nahezu alle Lebensbereiche aus“. (Ortlieb)
Bezogen auf die Verwandschaftsstruktur („Hamula“) heißt es in dem Text, der hierzu gelesen werden soll: „Auch heute noch orientiert man sich zum Teil an dieser Struktur.“ Desgleichen heißt es: „Das Modell der palästinensischen Familienstruktur“ gelte „generell für den arabischen Raum“. (Ortlieb) Dementsprechend geht es um die gleichermaßen rückständigen, ländlichen, feudal-patriarchalen, von bitterer Armut, extremer Gewalt, Clan- und Stammesbeziehungen geprägten Lebensverhältnisse, in denen der spätere irakische Diktator Saddam Hussein ohne Vater aufwuchs. Es geht auch hier um „Stammestreue“, „Blutfehden“, „Morde im Namen der Ehre“. (Coughlin, S. 40-69) Anhand der zuletzt genannten Quelle soll „der sehr große Einfluß“ des Onkels von Saddam Hussein auf dessen Erziehung vergegenwärtigt werden. Dieser Onkel, „Ziehvater des Jungen“, Armeeoffizier, „ein glühender arabischer Nationalist“, ein „unbelehrbarer Bewunderer Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus“, Autor eines Machwerks mit dem bezeichnenden Titel „Drei Dinge, die Gott nicht hätte erschaffen sollen: Perser, Juden und Schmeißfliegen“, hatte 1941 an dem prodeutschen Militärputsch der faschistischen Offiziersgruppe des „Goldenen Quadrats“ teilgenommen. „Der junge Saddam bewunderte seinen Onkel“ dafür. „Es fällt nicht schwer sich vorzustellen, welchen Eindruck diese Vaterfigur … auf den Jungen in seinen prägenden Jahren machte … die Zeit, die er mit seinem Onkel in Tikrit und Bagdad verbrachte, (prägte) zweifellos seine Ansichten.“ (Coughlin, S. 40-69)
Auf der Grundlage einer Publikation des Diplom-Volkswirts Klemens Himpele sollen drei Hauptströmungen des arabischen Nationalismus untersucht werden: der panarabische ägyptische Nasserismus, die panarabische irakische Baath Partei Saddam Husseins, die panarabische syrische Baath Partei. Es sollen zentrale Kennzeichen des arabischen Nationalismus herausgearbeitet werden, dessen positive „Bezüge auf Nazi-Deutschland nach 1945“, dessen „Antisemitismus seit der Staatsgründung Israels“ 1948. Dies am Beispiel positiver Bezugnahmen Anwar as-Sadats, des späteren ägyptischen Machthabers, auf Adolf Hitler 1953, am Beispiel ägyptischer Soldaten, die im Suez-Kanal-Krieg 1956 arabische Ausgaben von „Mein Kampf“ mit sich führten, am Beispiel von Nazi-Kriegsverbrechern, die in den 1950er Jahren Aufnahme in Ägypten fanden, die an den antisemitischen Machenschaften des nasseristischen Regimes beteiligt waren. Anwar as-Sadat fiel „des öfteren“ durch antisemitische Äußerungen auf. Weitere Vertreter arabischer Regime haben sich laut Himpele antisemitisch geäußert, u.a.: Gamal Abdel Nasser, Begründer des ägyptischen Nasserismus, Hafiz al-Assad, Machthaber des baathistischen Syrien (1971-2000), Bashar al-Assad, sein Sohn und Nachfolger, Mustafa Tlas, Außenminister des baathistischen Syrien bis 2004 („Die Matzen von Zion“), Saddam Hussein, Diktator des baathistischen Irak, Tariq Aziz, sein Außenminister. Die herrschenden Eliten der arabisch-nationalistischen Staaten sind, so Himpele, „alles andere als frei von Antisemitismus“.
Gelesen im Verlauf des Seminars werden Studien der Islamwissenschaftlerin Carmen Matussek zu den arabischen Ausgaben der „Protokolle der Weisen von Zion“ seit 1951. Das zentrale antisemitische Machwerk hat in der arabischen Welt „unzählige Auflagen“ erreicht, es ist dort ein „Bestseller“. Um die Echtheit der auf Fälschungen beruhenden „Protokolle“ zu suggerieren, wurden sie „oft in eine Reihe mit den jüdischen heiligen Schriften gestellt“. Eine libanesische Ausgabe von 2000 beispielsweise trägt den Titel: „Die Protokolle der Weisen von Zion und die Lehre des Talmud“. In Syrien hingegen „ist es nicht ungewöhnlich“, daß die Hetzschrift „den Stempel offizieller Ämter und Einrichtungen“ trägt, somit „Teil der offiziellen Darstellung der Geschichte“ ist. Mitgelesen werden hier Matusseks Ausführungen über die Rezeption der „Protokolle“ durch Gamal Abdel Nasser, der ihnen „offensichtlich Glauben geschenkt“ hat, in dessen Regierungszeit ihre „Verbreitung … sehr vorangetrieben wurde … sowohl im Innern als auch außenpolitisch …“. In gleicher Weise geht es um Husni Mubarak, den späteren ägyptischen Machthaber.
Anhand eines Textes des britischen Journalisten Con Coughlin, langjähriger Middle East correspondent des “Daily Telegraph” und chief foreign correspondent des “Sunday Telegraph”, über das erste, neun Monate währende Putschregime der Baath Partei 1963 soll der Massenterror, wie er Kennzeichen besonders des irakischen und syrischen arabischen Nationalismus war, herausgearbeitet werden. In diesen neun Monaten wurden schätzungsweise 9000 Menschen umgebracht, die häufig grausam und bestialisch zu Tode gefoltert wurden. Die Opfer waren vielfach Kommunisten und andere Linke aber auch Menschen, die wegen „lokaler Streitigkeiten denunziert wurden“, so ins Räderwerk der Massenverfolgung gerieten. Coughlin spricht von „blutrünstigen Säuberungen“. Exekutor dieser „Orgie der Gewalt“ war die paramilitärische Organisation der Nationalgarde, Haras al-Qawmi, „gewissermaßen die Braunhemden der Baath Partei“. Anhand eines weiteren Textes von Con Coughlin soll jener Pogrom vom 27. Januar 1969 vergegenwärtigt werden, den die Baath Partei einige Monate nach ihrer zweiten Machtergreifung verbrach. Bei einem Massenspektakel mit mindestens 100.000, möglicherweise 500.000 Teilnehmern wurden auf dem zentralen Platz der Hauptstadt Bagdad 14 Iraker, darunter neun Juden, gehängt. Die Anklage bei dem vorangegangenen Schauprozess lautete auf „Spionage“ für Israel. „Als die Verurteilten zum Galgen geführt wurden, herrschte … eine … karnevalsähnliche Stimmung.“ Präsident Bakr und Saddam Hussein hatten kurz zuvor in einer offenen Limousine unter Beifall eine Ehrenrunde um den Platz gedreht. Rundfunk und Fernsehen übertrugen. Aufnahmen nach der Exekution zeigten „zahllose lächelnde Milizen und Baath-Anhänger, die jubelnd vor den Kameras tanzten … johlende Menge … wütend skandierende, spuckende, Steine werfende Meute“.
Vertiefend gelesen und diskutiert wird ein 20-seitiger Beitrag aus einer sozialwissenschaftlichen Publikation, herausgegeben von dem irakischen Exilanten und Politologen Arras Fatah, erschienen 2002 im Konkret Verlag. Hier geht es um die Besonderheiten des Iraks als eines verspäteten, postkolonialen Staates ohne historische territoriale Einheit, eines tribal, ethnisch, konfessionell und religiös zersplitterten Staates. Es geht um einen „Staat ohne Nation“, um die folgerichtig zwanghafte „Erfindung der irakischen Nation“ als reaktionär-moderne „Fortsetzung des (romantisch verklärten, K.S.) babylonischen-mesopotamischen Erbes“ und reaktionär-moderne „Wiederherstellung des (romantisch verklärten, K.S.) arabischen Großreichs“. Es geht um den Baathismus als zwangsmäßiges, gewaltförmiges Nationsbildungsprojekt, wobei „die Widersprüche nicht aufgelöst, sondern gewaltsam unterdrückt wurden.“ Stichworte im Text sind: Durchsetzung der „Nation gegen ‚Feinde’ von außen wie von innen“, „einer vollständig homogenisierten, konfliktfreien Nation“, gegründet auf „Befehl und Gehorsam“, auf einer „Ethik der Unterordnung“, „Vereinheitlichung des Volks mit der Baath Partei“, Gesellschaft im „permanenten Ausnahmezustand“. Das Land wurde mit einem „Raster von Sicherheitszonen“ überzogen, „innerhalb derer jeweils eine Zentrale der Sicherheitsdienste errichtet“, in denen bestialisch gefoltert wurde. „In dieser orwellschen Welt herrscht die Sprache … der Angst.“ Es geht mithin um die totale, durch Massenterror und Antisemitismus gekennzeichnete Macht und Herrschaft der nationalsozialistischen Baath Partei, der Diktatur Saddam Husseins.
Am Beispiel einer Fernsehserie aus dem Jahr 2002 mit dem Titel „Reiter ohne Pferd“ soll speziell der ägyptische, allgemein der arabische Antisemitismus untersucht werden. „Die 41 Folgen basieren direkt auf den Protokollen der Weisen von Zion, haben deren Inhalt zum Thema. Sie wurden zur besten Sendezeit nach dem Fastenbrechen im Monat Ramadan“ von einem ägyptischen Privatsender, „von über zwanzig weiteren Sendern in der gesamten arabischen Welt sowie im Iran ausgestrahlt“. (Matussek) „Ohne Weiteres kann von einem vorläufigen ‚Höhepunkt der Indienstnahme der Konspirationsphantasie für ein Massenpublikum’ gesprochen werden.“ Anhand des entsprechenden Kapitels aus Carmen Matusseks Veröffentlichung werden „Handlung und Aufmachung der Serie“ analysiert. Ausgehend von der Aufforderung der USA an die ägyptische Regierung, „die Ausstrahlung der Serie wegen ihres antisemitischen Inhalts zu unterbinden“, soll die apologetische arabische „Diskussion um Reiter ohne Pferd“ verfolgt werden. (Matussek) Auch in der palästinensischen Organisation Fatah, größte, führende Kraft innerhalb der PLO, „spielen die Protokolle der Weisen von Zion eine tragende Rolle in der Ausformung des Feindbildes … Natürlich hat er“, Yasser Arafat, „sie gelesen“, äußerte der Sprecher der Fatah in Gaza, Hazem Abu Sanab, gegenüber dem Fernsehsender Arte. „Jedes Fatah-Mitglied hat die Protokolle des Zionismus gelesen.“ (Matussek) Mituntersucht wird hier das in der ersten „Intifada“ 1987-93 gegründete, „mit der PLO verknüpfte“ Vereinigte Nationale Kommando. (Himpele)
Es geht des Weiteren um das Schicksal der jüdischen Gemeinde Ägyptens, die während vier Nahostkriegen fast vollständig vertrieben wurde. „Lebten 1947 Schätzungen zufolge rund 75.000 Juden in Ägypten“, „waren es 2001 gerade einmal 100 Personen.“ (www.aegypten.com/land-leute/religion/judentum/) „Between June and November 1948“, während des ersten arabischen Kriegs gegen Israel, “bombs set off in the Jewish Quarter of Cairo killed more than 70 Jews and wounded nearly 200”, so die Jewish Virtual Library. Während des Suezkanalkriegs 1956 lies das nasseristische Militärregime in allen Moscheen eine Erklärung des Ministers für religiöse Angelegenheiten verlesen, in der es hieß: „All Jews are Zionists and enemies of the state.“ 25.000 Juden wurden ausgewiesen, ihr Eigentum beschlagnahmt. „Approximatley 1000 more … were sent to prison and detention camps. … When war broke out in 1967” – der Sechs-Tage-Krieg – “Jewish homes and property were confiscated.” Erneut waren Juden Verfolgungen und Ausbürgerungen ausgesetzt, nur rund 1000 verblieben im Land. „As of 2013, the Jewish community in Egypt numbers only a few dozen”. (www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/anti-semitism/egjews.html) Mitgelesen wird hier ein Artikel der freien Journalistin Dr. Andrea Backhaus über die Situation der jüdischen Gemeinde in Kairo 2013, die nur noch „zwölf Mitglieder“ zählte. Anfeindungen seien Alltag, so der Untertitel. „Die Ägypter bekommen schon in der Schule eingebläut, daß wir ihre Feinde sind“, so die Direktorin der Gemeinde. „Sie glauben, dass wir für Hunger, Arbeitslosigkeit und hohe Mieten verantwortlich zeichnen.“ („Zeit Online“ 31.08.2013) Im Seminar gezeigt und diskutiert wird der Trailer zu dem von der Zensur zeitweise verbotenen, erst nach nationalen und internationalen Protesten freigegebenen Film „Jews of Egypt“. Der Dokumentarfilm durchbricht das Tabu, das der ägyptische arabische Nationalismus über die Geschichte der Juden des Landes, ihre Verfolgung und Vertreibung verhängt hat. Mitdiskutiert wird hier ein Interview der linken Wochenzeitung „Jungle World“ mit dem Regisseur Amir Ramses („Jüdisches Leben ist quasi erloschen“).
Schließlich, am Ende des Seminars, anhand dreier Artikel zweier Autoren der Tageszeitung „Die Welt“ (davon ein Autor früher Leiter eines sozialwissenschaftlichen Instituts) soll der arabische Antisemitismus im Zusammenhang mit der Bedrohung Israels durch das irakische Atomprogramm der späten 1970er Jahre, durch das syrische Atomprojekt in den Jahren vor und bis 2007 diskutiert werden. Es geht um die präventive Zerstörung des irakischen Atomreaktors Osirak am 7. Juni 1981, des syrischen Atomreaktors al-Kibar am 6. September 2007 durch die israelischen Luftverteidigungsstreitkräfte. (Kulke, Rühle)

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Literatur

Prochazka, Stephan: „Warum wohnt Gaddafi in einem Zelt? Libyens Diktator legt Wert auf beduinische Tradition, erklärt Arabistik-Professor Stephan Prochazka“ („Der Standard“, online 29.11.2009) http://derstandard.at/1253808076577/UserInnen-fragen-derStandardat-antwortet-Warum-wohnt-Gaddafi-in-einem-Zelt

Hottinger, Arnold: „Islamische Welt. Der Nahe Osten: Erfahrungen, Begegnungen, Analysen.“ Paderborn, Zürich 2004, darin:
• „Die Welt der Frauen“ (S. 26ff)
• „Mezze für den älteren Bruder“ (S. 31)
• „Ein Sozialist in Bikfaya“ (S. 32)
• „Kamal Djumblat, Drusenfürst und Sozialist“ (S. 33f)

Ortlieb, Sylvia: „Palästinensische Identität und Ethnizität. Genese und Entwicklung des Selbstverständnisses der Palästinenser.“ Köln 1995, darin:
• „Dorf- und Verwandtschaftsstrukturen.“ S. 51-54 (Dabei handelt es sich um das einzig brauchbare Kapitel des Buches, die Publikation insgesamt ist ein ethnozistisches Elaborat, erschienen im antizionistischen ISP Verlag. Die Autorin hat Ethnologie, Politologie, Soziologie studiert, in Syrien arabische Sprache. Sie ist Doktorin, Nahost-Lobbyistin, als „interkulturelle“ Unternehmensberaterin tätig, die auf dem beruflichen Netzwerk Linkedin unter dem Stichwort Interessen u.a. angibt: „Unterstützung bei der Geschäftsanbahnung in der Arabischen Welt und im Iran“.)
http://www.orient-occident.de/e_sylvia_ortlieb.html (Stand: 05.10.2013)
http://de.linkedin.com/pub/dr-sylvia-ortlieb/36/168/639 (Stand: 05.10.2013)

Coughlin, Con: „Saddam Hussein. Portrait eines Diktators. Eine Biographie.“
München 2002, darin:
• „Der Waisenjunge“ (nur S. 40-51)
• „Der Waisenjunge“ (nur S. 56-69)

Himpele, Klemens: „Antisemitismus in arabischen Staaten. Eine Einführung.“
Saarbrücken 2008, darin:
• „Bezüge auf Nazi-Deutschland nach 1945“ (S. 39-41)
• „Arabischer Antisemitismus seit der Staatsgründung Israels.“ (Darin der Abschnitt: „Der Antisemitismus weltlicher und geistlicher Repräsentanten“) S. 46-50

Matussek, Carmen: „Der Glaube an eine ‚jüdische Weltverschwörung’. Die Rezeption der ‚Protokolle der Weisen von Zion’ in der arabischen Welt.“ LIT-Verlag, Reihe Politikwissenschaft, Band 188, 2012, darin:
• „Die arabischen Ausgaben seit 1951“ (S. 26-32)
• „Gamal Abd an-Nasir (S. 88)
• „Muhammad Husni Mubarak (S. 92ff)

Coughlin, Con: „Saddam Hussein. Portrait eines Diktators. Eine Biographie.“ München 2002, darin:
• „Der Attentäter“ (nur S. 93-105)
• „Der Rächer“ (S. 139f)

Fatah, Arras: „Der postkoloniale Staat Irak und der Ba’thismus als Nationsbildungskonzept.“ In: Osten-Sacken, Th. v. d. / Fatah, A. (Hrsg.): „Saddam Husseins letztes Gefecht? Der lange Weg in den III. Golfkrieg.“ Konkret Texte 33, KVV Konkret, Hamburg 2002, S. 51-70

Matussek, Carmen: „Der Glaube an eine ‚jüdische Weltverschwörung’. Die Rezeption der ‚Protokolle der Weisen von Zion’ in der arabischen Welt.“ LIT-Verlag, Reihe Politikwissenschaft, Band 188, 2012, darin:
• „Reiter ohne Pferd“ (S. 72-77)
• „Die Diskussion um Reiter ohne Pferd“ (S. 81-86)

Matussek, Carmen: „Die Fatah.“ In: „Der Glaube an eine ‚jüdische Weltverschwörung’. Die Rezeption der ‚Protokolle der Weisen von Zion’ in der arabischen Welt.“ LIT-Verlag, Reihe Politikwissenschaft, Band 188, 2012, S. 103f

Himpele, Klemens: „Vereinigtes Nationales Kommando und die säkularen Bewegungen“. In: „Antisemitismus in arabischen Staaten. Eine Einführung.“ Saarbrücken 2008, S. 54f

N.N.: „Judentum in Ägypten.“ (www.aegypten.com/land-leute/religion/judentum/)

N.N.: „Jews in Islamic countries: Egypt.“ (Jewish Virtual Library. A Project of the American-Israeli Cooperative Enterprise) http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/anti-semitism/egjews.html

Backhaus, Andrea: „Vereint im Hass gegen Juden. Die jüdische Gemeinde in Kairo hat nur noch zwölf Mitglieder, für die wichtigsten Feiertage kommt ein Rabbiner aus dem Ausland eingeflogen. Anfeindungen sind Alltag.“ („Zeit Online“ 31.08.2013) http://www.zeit.de/gesellschaft/2013-08/juedische-gemeinde-kairo

Khamissi, Haitham Al: „Jews of Egypt.“ (Trailer zu dem gleichnamigen Film von Amir Ramses) Session Film Production (You Tube 10.05.2012) http://www.youtube.com/watch?v=3zWT71FnA_I

Barth, Oliver: „’Jüdisches Leben ist quasi erloschen.’“ Interview mit Amir Ramses über seinen Film ‚Jews of Egypt’, Zensur und Propaganda in Ägypten („Jungle World – Die linke Wochenzeitung“ Nr. 14, 04.04.2013) http://jungle-world.com/artikel/2013/14/47461.html

Kulke, Ulli: „Operation Babylon. Als Israels Kampfjets Saddams Atomfabrik zerbombten. Wird Israel die Atomanlagen des Iran angreifen? 1981 hat das Land ein Kraftwerk im Irak zerstört – und so Saddam Husseins Traum von der Atombombe verhindert.“ („Die Welt“ – Online 14.02.2012) http://www.welt.de/kultur/history/article13866268/Als-Israels-Kampfjets-Saddams-Atomfabrik-zerbombten.html

Rühle, Hans: „Israelisch-indischer Kampf gegen islamische Bombe. Seit Jahren
kämpft Israel gegen die Atombombe in den falschen Händen – nicht nur mit Hilfe des Westens. Geheime Dokumente beweisen, wie prekär die Lage für das Land ist.“ („Die Welt“ – Online 24.11.2011) Der Autor war früher Leiter eines sozialwissenschaftlichen Instituts.
http://www.welt.de/politik/ausland/article13733510/Israelisch-indischer-Kampf-gegen-islamische-Bombe.html

Rühle, Hans: „Wie Israel Assads geheimen Atomreaktor vernichtete. Mit Technologie aus Nordkorea und Geld aus dem Iran wurde in Syrien bis zum Jahr 2007 offenbar heimlich ein Atomreaktor aufgebaut. Das kurz entschlossene Handeln Israels verhinderte das Schlimmste.“ („Die Welt“ – Online 06.05.2013) Der Autor war früher Leiter eines sozialwissenschaftlichen Instituts.
http://www.welt.de/politik/ausland/article115924950/Wie-Israel-Assads-geheimen-Atomreaktor-vernichtete.html

Grundlagenliteratur

Dawisha, Adeed: “Arab Nationalism in the Twentieth Century: From Triumph to Despair.” Princeton University Press, 2009, darin:
• “Sati’ al-Husri’s Theorie of Arab Nationalism.” (S. 49-74) In diesem Kapitel (der Autor ist Professor für Politische Wissenschaft an der Miami University in Oxford, Ohio) geht es um die deutschen Quellen des arabischen Nationalismus. Dessen wichtigster Theoretiker und Begründer, Sati’ al-Husri, wandte sich gegen die aufgeklärten französischen und britischen Theoretiker der Nation. Er bezog sich statt dessen auf die gegenaufgeklärten, die völkischen deutschen Theoretiker, auf die Romantiker Herder, Fichte, Arndt.

Tibi, Bassam: „Die Verschwörung. Das Trauma arabischer Politik.“ Hamburg 1993, darin:
• „Vorwort“ (S. 11-15)
• „Europäer und Araber: Die falschen Versprechungen. Von der arabischen Revolte 1916 bis zur Libyen-Blockade 1992“, darin:
o „Die ‚Sykes-Picot-Wunden’ und das Syndrom der ‚Verschwörung / Mu’amarah’“ (S. 19f)
o „Die arabische Revolte von 1916“ (S. 21-24)
o „Kulturelle Wurzeln des Verschwörungsdenkens“ (S. 24-27)
(Der Autor, emeritierter Professor für internationale Beziehungen an der Universität Göttingen, Professor auch an der Cornell University in den USA, einst in Frankfurt Student bei Adorno, Horkheimer, Habermas und Iring Fetscher, unterzieht in diesen vier Kapiteln die verschwörungstheoretische Urerzählung des arabischen Antikolonialismus und Antiimperialismus der Kritik. Es geht um von Großbritannien und Frankreich während des Ersten Weltkriegs gemachte Zusicherungen bezüglich einer arabischen Nation, um die Frage ihrer Einhaltung nach Kriegsende.)

Himpele, Klemens: „Antisemitismus in arabischen Staaten. Eine Einführung.“ Saarbrücken 2008, darin:
• „Die arabische Welt und der Nationalsozialismus“ (S. 36)
• „Judenhass und Nationalsozialismus in den 1930er und 1940er Jahren“ (S.36f)
• „Der Mufti von Jerusalem: Hadsch Amin al-Husaini“ (S. 38f)

Beattie, Kirk J.: “Background of the Free Officers.” In: „Egypt during the Nasser Years. Ideology, Politics, and Civil Society.” Boulder / San Francisco / Oxford 1994 [nur S. 41f dieses Kapitels. Diese beiden Seiten („Hegemonic Struggle in the Military“) thematisieren die Verbindung des ägyptischen Königshauses, der Regierung Ali Maher, des Generalstabs zu den Achsenmächten, die Kollaboration der „Freien Offiziere“ mit der vor Al Alamein stehenden Wehrmacht.]

Choueiri, Youssef M.: “Nasserism.” In: „Arab Nationalism. A History.” Oxford
2000 (nur S. 179f dieses Kapitels. Auch diese beiden Seiten thematisieren das Verhältnis der ägyptischen Monarchie zu den Achsenmächten. Die Umzingelung des Königspalastes durch britische Panzer und Truppen während des Vormarsches der Wehrmacht im Westen Ägyptens, das solchermaßen auf Gewehrläufen und Kanonenrohren überbrachte und durchgesetzte Ultimatum des britischen Botschafters an den Monarchen, den prodeutschen Regierungschef ab-, einen probritischen einzusetzen, war das Urtrauma der profaschistischen Gruppe der Freien Offiziere.)

The History Channel: “Saddam and the Third Reich. The true story linking the
Nazis, Iraq and Saddam Hussein.” DVD (100 Min.) A&E Television Network 2005, http://www.youtube.com/watch?v=YXc7oXP_8QI

Rössel, Karl: „Bloß nicht dämonisieren. Deutsche Wissenschaftler/innen
verharmlosen arabische Kriegsverbrecher.“ In: “IZ3W – Zeitschrift des Informationszentrums 3. Welt” (Nr. 312, Mai / Juni 2009, S. 23-28)

Weiterführende Literatur

Matussek, Carmen: „Der Glaube an eine ‚jüdische Weltverschwörung’. Die Rezeption der „Protokolle der Weisen von Zion“ in der arabischen Welt.“ LIT-Verlag, Reihe Politikwissenschaft, Band 188, 2012

Tibi, Bassam: „Die Verschwörung. Das Trauma arabischer Politik.“ Hamburg 1993, darin:
• „Können Demokratie und Freiheit des Individuums im Nahen Osten gedeihen? Opposition als ‚Verschwörung’ und das arabo-islamische Kollektiv“, darin:
• „Einführung“ (S. 210-215)

Heni, Clemens: „Syrische Schulbücher und die ‚deutsch-arabische Freundschaft‘“. (Rezension eines Buches der Islamwissenschaftlerin Renate Heugel: „Die deutsch-arabische Freundschaft: Deutsche Geschichte [1815-1945] in syrischen Schulbüchern.“ Hamburg 2013. Der Rezensent ist Politologe und Doktor der Philosophie.) http://clemensheni.net/2013/08/06/syrische-schulbuecher-und-die-deutsch-arabische-freundschaft-rezension/#_edn4

Nakdimon, Shlomo: “First Strike. The exlusive Story of how Israel foiled Iraq’s
attempt to get the bomb.” Harper Collins Distribution Services (1988)

Babeuf, F. N.: „Rechte Freundschaft. Europäische Faschisten unterstützen das Regime Bashar al-Assads in Syrien.“ („Jungle World – Die linke Wochenzeitung“, Nr. 42, 17. Oktober 2013) http://jungle-world.com/artikel/2013/42/48644.html

Selent, Karl: „Das Palästinensertuch. Was die Antiisraelischen unter den Linken
über ihr bevorzugtes Kleidungsstück nicht wissen wollen.“ In: „Ein Gläschen Yarden-Wein auf den israelischen Golan. Polemik, Häresie und Historisches zum endlosen Krieg gegen Israel.“ Ca Ira Verlag, Freiburg 2003, S. 59-62 (Eine erweiterte, überarbeitete Fassung des Textes findet sich online unter: http://www.3d.antideutsch.com/?p=83)

Rehman, Cedric: „Schwarzer Block gegen lange Bärte. In Ägyptens Städten reagieren militante Jugendliche auf die Gewalt von Polizei und Islamisten mit Gegengewalt. Unterwegs mit Ibrahim Daoud und dem Schwarzen Block auf Kairos Strassen.“ („Wochenzeitung“ – WOZ Nr. 10/2013 vom 07.03.2013) http://www.woz.ch/1310/aegypten/schwarzer-block-gegen-lange-baerte

Hadid, Diaa: “In Israeli City of Haifa, a Liberal Arab Culture Blossoms.” (Haifa
Journal 03.01.16 / New York Times 04.01.16) http://www.nytimes.com/2016/01/04/world/middleeast/in-israeli-city-of-haifa-a-liberal-palestinian-culture-blossoms.html?_r=0

Ortondec, Kyle W.: “How Saddam Hussein gave us ISIS.” (“New York Times” 23.12.2015) http://www.nytimes.com/2015/12/23/opinion/how-saddam-hussein-gave-us-isis.html

Ergänzende Literatur

Carmon, Yigal: „Was ist arabischer Antisemitismus?“ In: Faber, K. / Schoeps, J.
H. / Stawski, S. (Hrsg.): „Neu-alter Judenhass – Antisemitismus, arabisch-israelischer Konflikt und europäische Politik.“ Berlin 2006, S. 203-210

Tibi, Bassam: „Die Verschwörung. Das Trauma arabischer Politik.“ Hamburg 1993, darin:
• „Die Baath-Partei und ihre Henker“ (S. 96ff)
• „Der Mythos von der ‚arabischen Nation’“ (S. 98-103)
• „Gemeinsame Basis: Die Verschwörung“ (S. 188ff)

Rensmann, Jörg: „Antisemitismus und Dämonisierung Israels.“ In: „Der Mythos Nakba. Fakten zur israelischen Gründungsgeschichte.“ Herausgegeben von zehn örtlichen und regionalen Arbeitsgemeinschaften der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e. V. August 2013 (Jörg Rensmann ist Politologe und freier Autor)

Bickel, Markus: „Christen in Ägypten. Eine Welle der Gewalt, die nicht mehr abebbt. Es ist so schlimm wie in den neunziger Jahren: Die Attacken auf Kirchen und christliche Einrichtungen in Ägypten reißen nicht ab. Den Kopten wird der Alltag zur Hölle gemacht.“ („Frankfurter Allgemeine Zeitung“ 04.10.2013) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/christen-in-aegypten-eine-welle-der-gewalt-die-nicht-mehr-abebbt-12602058.html

Weinstock, Nathan: „Das Bekenntnis eines ehemaligen Antizionisten.“ Erschienen in: L’Arche n° 579-580 Juli-August 2006, übersetzt und redigiert von Karl Pfeifer (www.hagalil.com/archiv/2006/09/weinstock.htm)

Thörner, Klaus: „Von Arabern mit Liebe überschüttet. Den antisemitischen
Menschenrechtsaktivisten auf der Spur: In ‚Allein unter Juden’ begibt sich Tuvia Tenenbom auf Entdeckungsreise durch Israel.“ (In: „Jungle World – Die linke Wochenzeitung“ Nr. 11, 12.03.2015, http://jungle-world.com/artikel/2015/11/51606.html) Der Rezensent, Dr. rer. pol., ist Wirtschafts- und Sozialwissenschafter.

Rössel, Karl: „’Hitler – König der Herzen’. Mit Nazis gegen Juden – deutsche
Islamwissenschaftler und arabische Kriegsverbrecher. Ein Fall von öffentlich-rechtlicher Zensur.“ (KONKRET 3/2009)
http://www.a3wsaar.de/fileadmin/pdf/roessel_nazikollaboration.pdf

Selent, Karl: „Intifada ist überall. Palästinasolidarität als Angriff auf die Alte Synagoge Essen.“ In: „Ein Gläschen Yarden-Wein auf den israelischen Golan. Polemik, Häresie und Historisches zum endlosen Krieg gegen Israel.“ Ca Ira Verlag, Freiburg 2003, S. 32-35

Schapira, Esther: „Warum Israel? Kein Land der Welt regt die Deutschen mehr auf als der jüdische Staat.“ („Jüdische Allgemeine Wochenzeitung“ 07.05.2015)

Jein sagende Kompromiss- und Konsensliteratur

Nordbruch, Götz: “Kontroversen der Forschung. Die Beziehungen zwischen
Nationalsozialismus und arabischer Welt.“ In: Benz, W. / Wetzel, J. (Hrsg.): „Antisemitismus und radikaler Islamismus.“ Klartext-Verlag, Essen 2007, S. 23-42

Konterliteratur

Sotscheck, Ralf: „Nach Arafat soll alles besser werden. Trotz der Entwicklung im Irak blicken Tony Blair und George Bush im Nahen Osten optimistisch in die Zukunft.“ („Tageszeitung“ 22.11.2004) http://www.taz.de/1/archiv/archiv-start/?ressort=me&dig=2004%2F11%2F22%2Fa0181&cHash=9751992b551d3ff706b7b350c0f28215

Pirker, Werner: „Mit aufrechtem Gang. Leben und Tod des rechtmäßigen irakischen Präsidenten Saddam Hussein.“ („Junge Welt“ 02.01.2007) http://www.city-pr.net/gg/index.php?option=com_content&view=article&id=110:mit-aufrechtem-gang-&catid=4:politik&Itemid=2

Flores, Alexander: „Arabischer Antisemitismus in westlicher Perspektive.“ In:
Bunzl, J. / Senfft, A. (Hrsg.): „Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost.“ VSA Verlag, Hamburg 2008, S. 145-159

Gershoni, Israel: „´Der verfolgte Jude`. Al-Hilals Reaktionen auf den Antisemitismus in Europa und Hitlers Machtergreifung.“ In: Höpp, G. / Wien, P. / Wildangel, R.: „Blind für die Geschichte? Arabische Begegnungen (sic!) mit dem Nationalsozialismus.“ Studien 19 des Zentrums Moderner Orient – Geisteswissenschaftliche Zentren Berlin e. V. Berlin 2004

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Im Osten viel Neues. Wie Erich Ludendorff ab 1915 deutschen Lebensraum im Osten schaffen wollte und die jüdische Bevölkerung drangsalieren ließ

Am 4. August 1915, ein Jahr nach Kriegsbeginn, eroberten die Deutschen Warschau mit seinen etwa 300.000 jüdischen Einwohnern, bald darauf Kongresspolen und Litauen, wo über zwei Millionen Juden lebten. Die deutsche Heeresleitung bildete dort ein deutsches Generalgouvernement, das zunächst unter Zivilverwaltung, das nordöstliche Territorium unter Militärverwaltung eines deutschen Oberbefehlshabers gestellt wurde. Kongresspolen sowie große Teile des Baltikums, Litauen und Kurland wurden in der deutschen Militärsprache als „Land des Oberbefehlshabers Ost“ – kurz: Ober-Ost – bezeichnet. Hier erhielt Erich Ludendorff, der starke Mann der Militärführung im Osten – seit August 1916 neben Paul von Hindenburg Chef der Obersten Heeresleitung -, die einmalige Gelegenheit, eine Utopie zu verwirklichen: nämlich ein besetztes Territorium ganz nach seinen Vorstellungen neu zu ordnen, in dem die dort lebenden Juden keinen Platz hatten. So wurde die Verfolgung der Ostjuden sozusagen das Vorzeigemodell für den Holocaust ein Vierteljahrhundert später.

Vortrag und Diskussion, 5. März 2015, 20:00 Uhr, Jugend- und Kulturzentrum Druckluft, Abendkursreihe „Kritische Theorie heute“ des Bildungswerks der Ruhrwerkstatt Oberhausen.
Ein Projekt gemeinsam mit Antifa 3D D-Day Duisburg

Kurz-Vita des Referenten:

Priv.-Doz. Dr. L. Joseph Heid, Historiker, Literaturwissenschaftler, Publizist, Promotion 1982 (Universität Duisburg), Habilitation 1993 (Universität Potsdam), Venia legendi für Neuere Geschichte. Lehrbeauftragter der Universität DU-E. Zahlreiche Publikationen zur deutsch-jüdischen Beziehungs- u. Literaturgeschichte, Sozialgeschichte (Arbeiterbewegung) und zum Ostjudentum, u.a.: Von der Zunft zur Arbeiterpartei. Die Social-Demokratie in Duisburg 1848-1878 (1983); Arbeit und Alltag im Revier. Arbeiterbewegung und Arbeiterkultur im westlichen Ruhrgebiet im Kaiserreich und in der Weimarer Republik (1985); Deutsch-Jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert (1992); Maloche – nicht Mildtätigkeit. Ostjüdische Arbeiter in Deutschland 1914-1923 (1995); Der ewige Judenhass (2000); Oskar Cohn. Ein Sozialist und Zionist (2002); Eduard Bernstein-Edition (2004); Ostjuden im Ruhrgebiet (2011); Peter Blachstein-Biographie (2014); freier Mitarbeiter u.a.: Süddeutsche Zeitung; DIE ZEIT; Die Welt; Der Freitag; Jüdische Allgemeine. Mitherausgeber der Judacia-Reihe des Campus-Verlages Frankfurt.

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Theorien über den Antisemitismus

Ausgehend von einer Ausstellung des Jüdischen Museums der Stadt Wien über „Die Macht der Bilder – Antisemitische Vorurteile und Mythen“ sollen einige der ältesten und zentralsten „Stereotype christlicher Judenfeindschaft“ vergegenwärtigt werden: „Christusmörder“, „Judas“, „Hostienschändung“, „Brunnenvergifter“, „Ewiger Jude“, „Talmudjude“, „Ritualmord“. (Weinzierl) Es soll die verbreitete christliche Vorstellung von den Juden als „Wucherer“ thematisiert werden (Raphael), zudem die Vertreibung, die ungeheure Gewalt, die Pogrome, welche die mittelalterlichen Christen den Juden angetan haben. (Weinzierl, Raphael)
Über die auszugsweise Lektüre eines Werkes des Nah- und Mittelostwissenschaftlers Bernard Lewis werden vergleichende Studien über „Die Juden in der islamischen Welt. Vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert“ angestellt. Wenngleich Juden in den historischen islamischen Gesellschaften einen gewissen rechtlichen Status als „geschützte Untertanen“ („Dhimmis“) besaßen, unterlagen sie doch auch gesetzlichen Restriktionen und Diskriminierungen. Wenngleich Juden im Orient mit wesentlich weniger Gewalt konfrontiert waren als Juden im Okzident, so war doch das Verhalten der Muslime gegenüber den Juden nicht frei von Gewalt. „Die Toleranz im islamischen Spanien ist“, so der Titel eines Textes, der im Seminar zur Diskussion gestellt wird, „nur ein multikultureller Mythos.“ (Prof. Francisco G. Fitz, „Welt – Online“ 01.06.2006)
Konstituierten sich die aufgeklärten, bürgerlich-demokratischen Nationen gegen die Macht und Herrschaft von Monarchie, Adel und Klerus, so konstruierte sich die deutsche, die völkische Nation gegen die Juden. Der Titel eines Tagungsbandes des Instituts für deutsch-jüdische Geschichte und des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Gesamthochschule Duisburg lautet: „Die Konstruktion der Nation gegen die Juden.“ [Alter (Hrsg.) München 1999] Gelesen wird daraus der Beitrag von Prof. Stefan Rohrbacher über die antijüdische Gewalt der Jahre 1815 – 1848/49. Darin heißt es u.a.:
„ … die … aggressive literarische Agitation“ gegen die Juden „(speiste) sich aus einer romantisch-nationalen, christlich-germanischen, gegen Aufklärung und Naturrecht gerichteten Zeitströmung … Im Ringen um eine nationale Identität fungierten der äußere Feind – die Franzosen – und die Fremden in der eigenen Mitte – die Juden – als integrierende Faktoren. Die Nationaleigenschaften, die den Franzosen wie den Juden … zugeschrieben wurden, boten die Negativfolie für den Entwurf eines Nationalcharakters der Deutschen.“
Nach dem verhängnisvollen Scheitern der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848/49, nach der Restauration, mit der Gründung des reaktionären, preußisch-militaristischen Machtstaates Deutschland 1871 wurde der Antisemitismus „soziale Norm“, wie es im Titel der Dissertation von Dr. Klemens Felden heißt: „Die Übernahme des antisemitischen Stereotyps als soziale Norm durch die bürgerliche Gesellschaft Deutschlands 1875–1900.“ (Heidelberg 1963) Felden beschreibt die historisch ohnehin „zum Antisemitismus tendierenden Strömungen“ des Katholizismus und des Konservatismus. Im Seminar gelesen werden aber jene zwei Kapitel, die thematisieren, daß auch der Protestantismus und der Liberalismus durch den Antisemitismus gekennzeichnet waren. Die Umtriebe von Repräsentanten speziell der konservativen Strömung des Protestantismus – Martensen, Todt, Strack, Daab, Kögel, Mann, Bauer –, insbesondere jene des Hofpredigers Adolf Stoecker, verhalfen dem Antisemitismus „zur gesellschaftlichen Reputation“. Stoeckers Agitation war allerdings nicht die Ursache solcher „Popularität des Antisemitismus“, sondern ihre Folge: „Der Hofprediger sprach“ nur „aus, was konservativ-kirchliche Schichten“ ohnehin „empfanden. Außer Pestalozzi und Baumgarten protestierte in der Orthodoxie niemand“ gegen den Antisemiten. „Schon in (dessen) Vorträgen der frühen 1880er Jahre tauchte das Wort vom ‚fremden Blutstropfen’, von der ‚Rasseneigentümlichkeit’ auf“.
Wie sehr der Nazifaschismus („Ein Volk – ein Reich – ein Führer!“) im Entstehungsprozess der deutschen Nation angelegt war, aus ihrer Entwicklung hervorgegangen ist, zeigt auch eine Aussage Stoeckers bezüglich seines „Urerlebnisses“, der klassen-, konfessions-, parteiübergreifenden Einheit und Begeisterung der völkischen Nation im Augenblick ihres Sieges über den „Erzfeind“ Frankreich 1871: Die Deutschen seien „mit Gott und unserem Kaiser“, so zitiert Felden Stoecker, „ein Volk, ein Haus, ein Heer“ gewesen.
„Selbst der Liberalismus“, so Felden, „gab zu Beginn der 1890er Jahre seine ablehnende Einstellung gegenüber dem Antisemitismus auf. … Die liberalen Zeitungen vermieden die“ Auseinandersetzung, „um nicht als ‚Judenblatt’ verdächtigt zu werden, manche passten sich der antisemitischen Strömung an.“ Felden schrieb von einem „Verstummen der Proteste vieler liberaler Politiker und Redakteure“, von einer „Übernahme konservativer Einstellungen“, von der „politischen und geistigen Kapitulation vor den herrschenden Mächten … Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewannen nationalistische und auf die Verteidigung von Klasseninteressen bedachte Strömungen innerhalb des Liberalismus die Oberhand.“ Dieser „entfernte sich von einem an der Aufklärung orientierten Leitbild“. Er wurde „regierungsfromm“.
Anhand eines Beitrags aus dem „Historischen Lexikon Bayerns“, dem wissenschaftlichen Online-Nachschlagewerk der Bayerischen Staatsbibliothek, über den Antisemitismus in der Weimarer Republik soll gezeigt werden, wie der hiesige, „völkisch-rassistische Antisemitismus … sich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zusehends radikalisierte. Neben der gesellschaftlichen Ausgrenzung nahmen gewalttätige Aktionen rechtsextremer Gruppen gegen die jüdische Bevölkerung wie Misshandlungen bis hin zum Totschlag, Boykottkampagnen sowie Friedhofs- und Synagogenschändungen zu. … Gewalt wurde zu einem herausragenden Merkmal des Antisemitismus in der Weimarer Republik.“ Der Nationalsozialismus stieg zur Massenbewegung auf. Weimar war eine „Republik ohne Republikaner“. Der Titel eines 1932 erschienenen Romans von Theodor Plievier lautete: „Der Kaiser ging, die Generäle blieben“. Nicht Liberalismus war unter den staatlichen Funktionsträgern in Verwaltung, Justiz und Polizei gefragt (vielfach ehemalige kaiserliche Beamte), sondern Antiliberalismus. Der Nazifaschismus gelangte dort zur Macht, wo Aufklärung nie hat durchsetzen sich können, wo Gegenaufklärung dominierte: in Deutschland.
Auf der Basis eines Beitrags von Rainer Bakonyi zu dem Buch „Antisemitismus – die deutsche Normalität“, erschienen im Verlag des Instituts für Sozialkritik e.V. Freiburg (ISF), soll gezeigt werden, wie das Naziregime „sofort nach“ der Machtübertragung von 1933 „mit der Umsetzung“ seines „antisemitischen Programms (begann).“ Es geht um den Boykott jüdischer Geschäfte, das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, weitere die Juden Schritt für Schritt ausgrenzende Erlasse und Gesetze, zudem um die „Nürnberger Rassengesetze“ von 1935. „Bereits diese Auswahl an Sofortmaßnahmen … zeigt die integrale Stellung des Antisemitismus in der nationalsozialistischen“ Praxis. Er bildete den innersten Kern der Nazi-Ideologie. Unmöglich, den Nazifaschismus zu analysieren, ohne den Zusammenhang mit dem Antisemitismus.
„Hatten zunächst“, so Bakonyi, „außenpolitische Überlegungen“, also Rücksichten auf die zivilisierte Welt, auf die bürgerlich-demokratischen Staaten, „die NS-Führung bei der Durchführung offensichtlich gewalttätiger und illegaler staatlicher Maßnahmen“ wenigstens „gebremst, so war nach … der erfolgreichen Übernahme Österreichs“, mit der „erwiesenen außenpolitischen Stärke und militärischen Potenz die Hemmschwelle deutlich gesunken.“ Die Novemberpogrome von 1938 („Reichskristallnacht“) markierten den Umschlag in „radikal gewalttätige staatliche Praxis“.
Bakonyi thematisiert „die Stationen des Massenmords, den die Deutschen“ während des Zweiten Weltkriegs „an den Juden Europas begingen“, die systematischen Massenerschießungen in den eroberten osteuropäischen Gebieten, denen, „die Maschinerie der industrialisierten Vernichtung“ in den Todeslagern, der sechs Millionen Juden zum Opfer fielen. Vermittels von „Aufzeichnungen aus der Hand der Opfer … Schilderungen, teils Zeitdokumente, die in Verstecken überdauerten, teils spätere Niederschriften von Überlebenden“, ist der Autor bemüht, „die Sicht der jüdischen Opfer in das Zentrum der Betrachtung“ zu stellen.
Auf der Basis eines Textes von Amatzia Baram mit dem Titel „Der moderne Irak, die Baath Partei und der Antisemitismus“ soll der Judenhass in einem Land untersucht werden, dessen Nationalismus wie der deutsche völkisch geprägt war (Panarabismus), das historisch mit Deutschland verbündet war, vor, während des Ersten Weltkriegs („Bagdadbahn“, „Achse Berlin-Bagdad“), vor, während des Zweiten Weltkriegs (die Nationalbewegung der 1930er Jahre, das Militärputschregime 1941). Diesem Text aus dem Jahrbuch 2003 des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung ist zu entnehmen, daß der irakische Panarabismus bereits „seit den 1920er Jahren“ mit dem Konflikt im britischen Mandatsgebiet Palästina „sich beschäftigte“. „Viele Iraker“ hätten „seit den späten 1920er Jahren keine klare Unterscheidung zwischen Juden und Zionisten“ vorgenommen (S. 100), „obwohl die meisten irakischen Juden keine Zionisten bzw. sogar gegen den Zionismus waren.“ (S. 103) „Antizionistische Propaganda“ sei „oft untrennbar mit antijüdischen Schmähungen verbunden“ gewesen. „Seit Beginn der dreißiger Jahre … löste der nationalsozialistische Einfluß in Bagdad zusätzlich rassistische Gefühle aus“. Der Einfluß der NS-Propaganda im Irak sei „unübersehbar“ gewesen. „Sie durchdrang große Teile der irakischen Intelligenz, und viele Armeeoffiziere und Politiker ließen ihren antijüdischen Ressentiments freien Lauf. Dies blieb nicht ohne Auswirkungen auf das Bildungssystem. Selbst das Königshaus war ‚infiziert’. … zwei Mitglieder der königlichen Familie (übertrafen) noch den nationalsozialistischen Gesandten in Bagdad, Dr. Fritz Grobba.“ (S. 100f) Amatzia Baram verfolgt die „antijüdische Stimmung“, „die pronationalsozialistische Einstellung der irakischen Elite“ bis hin zum Militärputsch des „Goldenen Vierecks“ 1941, der in Bagdad am 1./2. Juni in einen Pogrom mündete („Farhud“), dem 129 Juden zum Opfer fielen, der „das Ende von 2500 Jahren jüdischer Präsenz in Mesopotamien, im Irak einleitete.“ (S. 103) Der Autor, Professor am Department for the History of the Middle East der University of Haifa, beschreibt die Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Bevölkerung des Irak infolge der arabischen Kriege gegen Israel 1948/49 und 1967. Es geht u.a. um die systematische antisemitische Gesetzgebung von 1950/51, 1963/64, 1967. Bereits in den beiden erst genannten Jahren „verließen ungefähr 125.000 Juden“ das Land. „Nur etwa 6000 blieben … ; bis 1964 hatte sich ihre Zahl nochmals halbiert.“ (S. 104) Es geht um den Pogrom vom 27. Januar 1969, mit dem die Diktatur der Baath Partei Saddam Husseins ihren Anfang nahm. Dabei wurden in Bagdad im Anschluß an einen Schauprozeß 13 Iraker, darunter neun Juden, öffentlich bei einem Massenspektakel mit mindestens 100.000 Schaulustigen gehängt. (S. 105) „Die Verfolgung der Juden setzte sich fort bis Ende 1970 bzw. Anfang 1971, viele wurden inhaftiert, gefoltert, einige auch exekutiert.“ (S. 106) Amatzia Baram thematisiert die „antijüdische Propaganda und Kultur im Irak der Baath Partei“ bis in die 1990er Jahre hinein. (S. 108-118) Am Ende lebten dort nur noch etwa 20 Juden.
Im weiteren Verlauf des Seminars soll der fortwuchernde Antisemitismus im Nachfolgestaat des „Dritten Reichs“ untersucht werden. In einem Text des Politologen Clemens Heni über den „’Sekundären’ Antisemitismus“ in der BRD geht es um Beispiele für den Versuch großer Teile der Bevölkerung, das zentrale Verbrechen des Nationalsozialismus, den Holocaust, zu derealisieren, zu relativieren, zu trivialisieren, aufzurechnen. „Seit Anbeginn war in der Bundesrepublik von den Deutschen als Opfern die Rede.“ Dies „war Alltag … nach 1945 … So wurden in den 1950er/1960er Jahren … in den meistgelesenen Illustrierten ‚Bunte’ und ‚Stern’ die Bombenangriffe auf Deutschland in den schrecklichsten Farben ausgemalt und die Alliierten zu Verbrechern gemacht … gezielt wird der Holocaust mit der Ausweisung der Deutschen aus dem Osten in Beziehung gesetzt, die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Erika Steinbach, sprach davon, daß sich ‚Juden und Vertriebene’ ergänzten, da beide Gruppen auf ähnliche Weise Opfer geworden seien.“ Es geht um die angeblich „guten Seiten“ des Nazi-Staates („Autobahnen“, „Kraft durch Freude“). Als Beispiel für den Versuch, den Holocaust zu universalisieren, die deutsche Tat der modernen Zivilisation in die Schuhe zu schieben, verweist der Autor, Post-Doctoral Associate bei der Initiative for the Interdisciplinary Study of Antisemitism an der Yale University, USA, auf eine Vorlesung des Philosophen Martin Heidegger von 1949:
„Ackerbau ist jetzt motorisierte Ernährungsindustrie, im Wesen das Selbe wie die Fabrikation von Leichen in Gaskammern und Vernichtungslagern … “.
Der Analyse Henis folgend, soll der deutsche Entlastungsdiskurs bis in die Gegenwart hinein thematisiert werden („Bombenholocaust“, Dresden als „Krematorium“, „Vertreibungsholocaust“). Dabei geht es auch um die „am weitesten verbreitete Version der Schuldumkehr … die Diffamierung der Israelis als ‚Nazis von heute’“, die Beschreibung der „Palästinenser als ‚die Juden von heute’“.
Vergleichend, ergänzend soll der fortwuchernde Antisemitismus in Österreich, dem zweiten Nachfolgestaat des „Dritten Reichs“, thematisiert werden. Dies anhand einer Rezension eines „sehr unösterreichischen Buchs“. Es geht um eine Studie des Wiener Kommunikations- und Medienwissenschaftlers Prof. Maximilian Gottschlich zur Frage: „Wie antisemitisch ist Österreich?“ Die Studie ist gekennzeichnet, so der Rezensent, der Politologe Dr. Stefan Grigat, durch „klare Worte zur Beschreibung der österreichischen Nachkriegsrealität“, „die ‚Gesellschaft der Täter, Mittäter, Mitläufer und Zuseher ging zur Tagesordnung über’“. Es geht um die „Gleichgültigkeit großer Teile der Öffentlichkeit“, um das „Versagen der medialen Nachkriegsöffentlichkeit bei der Aufarbeitung der NS-Verbrechen“. Die „postnazistische österreichische Identität (beruhte) auf einer ‚Ideologie kollektiver Unschuld’, einer ‚Politik des Vergessens’“. Gottschlich beschreibe solchen Schuldabwehr-Antisemitismus als „tragenden Teil des Gründungsmythos“ Österreichs nach 1945. Entlang der Rezension soll der fortexistierende österreichische Antisemitismus bis in die Regierungszeit Bruno Kreiskys 1970-83, bis zur Waldheim-Affäre 1986-92, bis in die Gegenwart hinein, 2010, verfolgt werden, wobei der Rezensent zu letzterem Punkt auf empirisch-statistische Forschungsergebnisse der Studie Bezug nimmt. „Herausragend“, so Grigat, ist „Gottschlichs Buch … aufgrund seiner Beschäftigung mit dem antisemitischen Ressentiment gegen Israel.“ Der Autor zeige „exemplarisch an der Berichterstattung über die israelische Staatsgründung und die Überführung der sterblichen Überreste Theodor Herzls aus Wien nach Israel im Jahr 1949, dass die Gründung eines eigenen jüdischen Staates an keiner Stelle ‚in den politischen und historischen Kontext des Genozids an den europäischen Juden gestellt’ wurde. Dem israelischen Unabhängigkeitskrieg, in dem Tausende Überlebende der nationalsozialistischen Vernichtungslager gegen die angreifenden arabischen, nicht selten von Nazis beratenen Armeen kämpften, begegnete man in Österreich ganz ähnlich wie in Deutschland mit einer ‚plakativen Kriegsberichterstattung’, die zwanghaft von jedem Zusammenhang der Ereignisse im Nahen Osten mit dem erst drei Jahre zuvor in Europa beendeten Massenmord abstrahierte.“ Gottschlichs Studie biete „eine differenzierte Medienanalyse der österreichischen Nahostberichterstattung“ bis in die Gegenwart hinein, in der „antizionistisch und antisemitisch ‚überbordende Israel-Kritik’ … zum normalen ‚öffentlichen Diskurs’ gehört.“
Untersucht werden soll zudem der linke Antisemitismus. „Die Linkspartei, der Antisemitismus und Israel. Quereinstieg in eine laufende Debatte“, so der Titel eines Artikels, der im Seminar zur Diskussion stehen wird. Die Autoren, drei Mitglieder der Partei DIE LINKE, bieten eine kritische Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus in den eigenen Reihen, speziell auch mit dem auf Israel bezogenen. Der Beitrag erschien in der linken Monatszeitschrift KONKRET. Hier mitgelesen wird ein Kurzbeitrag des KONKRET-Autors Philipp Schmidt über einen vieldiskutierten, ebenfalls den Antisemitismus der Linkspartei kritisierenden Aufsatz des Sozialwissenschaftlers Samuel Salzborn und seines Co-Autors Sebastian Voigt: „Antisemiten als Koalitionspartner?“. Schmidts Beitrag kommentiert die Reaktionen innerhalb der Linkspartei sowie der Parteien rechts von ihr.
Schließlich, am Ende des Seminars, soll noch einmal der Antisemitismus eines Landes thematisiert werden, das historisch mit Deutschland im Bunde war, vor, während des Ersten Weltkriegs, vor, zu Beginn des Zweiten, dessen Nationalismus wie der irakische nicht am französischen, britischen, amerikanischen, sondern am deutschen Vorbild orientiert war, dessen Entwicklung in den 1970er Jahren in eine religiöse Variante des Faschismus mündete: den schiitisch-islamischen Gottesstaat. Dazu wird noch einmal ein Text aus dem Jahrbuch 2003 des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin herangezogen: „Die Bedeutung der iranischen Revolution von 1979 als Ausgangspunkt für eine antijüdisch orientierte Islamisierung.“ Der Autor, Prof. Henner Fürtig, Leiter des GIGA Instituts für Nahost-Studien, gab an, seit der Ablösung der historischen sunnitischen Herrschaft über Persien durch die historische schiitische sei „eine generelle Verschlechterung“ der Situation der dortigen Juden eingetreten. Galten im historischen sunnitischen Islam Tiere als „unrein“ (Hunde, Schweine), so waren es im historischen schiitischen: Menschen (Ungläubige, Juden). „Die neuen Herrscher achteten auf ’rituelle Reinheit’, schränkten die Kontaktmöglichkeiten mit Nichtmuslimen drastisch ein.“ Gab es für Juden im sunnitischen Machtbereich nur sehr selten gesetzliche Beschränkungen der Wahl des Wohnortes, so führte die schiitische Macht „zu einer weitergehenden Ghettoisierung“. (S. 73) Waren die mittelalterlichen sunnitischen Staaten im Vergleich zu den christlichen durch erheblich weniger Gewalt gegen Juden gekennzeichnet, so war im mittelalterlichen schiitischen Staat Gewalt gegen Juden regelmäßig verbreitet. Fürtig schrieb, „sowohl unter den Safaviden als auch unter den Kadscharen“ sei es „zyklisch (!) zu Kampagnen von Zwangskonversionen“ gekommen. (S. 73f) Wenngleich besonders in städtischen Ballungszentren wie Teheran, Shiraz, Isfahan große jüdische Gemeinden überdauerten, war ihre Situation im 19. Jahrhundert „armselig“, „entbehrungsreich“. Ähnlich der romantisch-nationalistischen Literatur in den deutschen Fürstentümern in den Jahren und Jahrzehnten vor der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848-49 war auch die persische nationalistische Literatur in den Jahren und Jahrzehnten vor der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1905-11 durch „antijüdische Stereotype“ gekennzeichnet. „Sie fanden mit der Darstellung des Juden als ‚hässlich’, ‚gierig’, ‚feige’ ihren Niederschlag.“ Wenngleich die revolutionäre Entwicklung in Persien weiter reichte als hierzulande, die Selbstherrschaft der Monarchie immerhin konstitutionell begrenzt wurde, so blieb die persische Revolution ähnlich der deutschen stecken, unvollendet. Erfolge in Sachen bürgerlicher Emanzipation der Juden („zivilrechtliche Gleichstellung“, Wahlrecht, „Aufhebung des Ghettogebots“) hatten, auch wenn sie erheblich „zum Selbstwertgefühl der iranischen Juden beitrugen, nicht Bestand.“ (S. 74) Das Land bewegte sich im Folgenden auf deutschem Sonderweg, signifikante Teile seiner Eliten, seiner Bevölkerung kämpften im Ersten Weltkrieg auf Seiten des Preußen-, des Osmanentums. Nach der Restauration der Selbstherrschaft des Schahs 1925 war nicht politische Revolution von unten, sondern apolitische, rein technische Modernisierung von oben gefragt. Versprach die damit einhergehende Säkularisierung den Juden einige Verbesserung, so „verschlechterte sich ihre Lage schon in den dreißiger Jahren“ wieder. „Der von Reza Schah geförderte Nationalismus schlug in dem Maße in Rassismus um, wie er Sympathien für den deutschen Nationalsozialismus entdeckte. Die Diskriminierung der Juden aus Glaubensgründen wurde nun sukzessive durch Antisemitismus bei gleichzeitiger Idolisierung der ‚arischen’ Perser ersetzt. Antisemitische Artikel und Angriffe gegen die einheimischen Juden häuften sich in der iranischen Presse. In immer größerer Zahl wurden sie aus staatlichen Stellen entfernt, in den späten dreißiger Jahren kam es sogar zu Massenvertreibungen, insbesondere aus Grenzregionen wie Khuzestan.“ (S. 75)
Entlang des 25-seitigen Textes von Fürtig soll der Antisemitismus der religiösen Hauptströmung der iranischen Gesellschaft, des schiitischen Islam, von den 1930er Jahren über die Machtergreifung 1979 bis ins Jahr 2000 verfolgt werden. „Namhafte iranische Geistliche entdeckten“ in den genannten dreißiger Jahren „ihre Sympathien für den Kampf der muslimischen Palästinenser gegen die Bestrebungen der Errichtung einer jüdischen Heimstatt im britischen Mandatsgebiet Palästina.“ Dies führte „zu einer Verstärkung der Kontakte zwischen iranischer und palästinensischer Geistlichkeit, u.a. zwischen Ayatollah Khorassani und dem Mufti Hajj Amin al-Husseini“, dem Nazi-Sympathisanten, dem späteren Nazi-Kollaborateur. Es geht um die Rolle der von Ayatollah Kashani geführten iranischen Geistlichkeit bei den Massendemonstrationen gegen die Gründung des jüdischen Staates 1948, um den darauf folgenden ersten Massenexodus iranischer Juden nach Israel. „Einige Autoren behaupten, daß zwischen 1948 und 1953 ein Drittel der iranischen Juden das Land in Richtung Israel verließ.“ (S. 75f) Es geht um die antisemitisch motivierten Versuche Ayatollah Khomeinis aus dem Jahr 1963, eine Massenmobilisierung seiner Religionsstudenten aus Qom gegen die guten Beziehungen des während, des nach dem Zweiten Weltkrieg unter amerikanischen Einfluß geratenen iranischen Staates zu Israel in Gang zu bringen. „An der israelisch-iranischen Kooperation entzündete sich das eigentliche … Wirken des späteren Revolutionsführers(1).“ Mit der Anerkennung Israels habe der Schah „eine Regierung der Ungläubigen – obendrein von Juden – anerkannt.“ Es sei dies „ein Affront gegenüber dem Islam, dem Koran“ gewesen. Des Landes verwiesen, ins Exil verbannt, „kristallisierte sich für Khomeini ‚der Westen’ zum Hauptfeind des Islam heraus. … ’das am wenigsten zu tolerierende Symbol der westlichen Tyrannei gegen die Muslime’“ sei „’der Staat Israel’. … Diese Einschätzung Israels sollte zu einer Konstanten im … Weltbild Khomeinis werden.“ (S. 77f)
Fürtigs Analysen folgend, wird der wachsende Einfluß dieses khomeinistischen Antisemitismus nach 1967, nach der Niederlage der panarabisch-nationalistischen Staaten im Sechstagekrieg gegen Israel diskutiert. Die Gegner des Schahregimes „begannen sich … zunehmend ‚islamischer’ Argumente und Versatzstücke zu bedienen … islamische Oppositionelle fanden besser Gehör … “. (S. 78) Der Autor verweist anhand von Zitaten aus Khomeinis Hauptwerk „Der islamische Staat“ auf einen „tief verwurzelten Antisemitismus“ des Ayatollah. (S. 79)
Es soll der khomeinistische Antisemitismus an der Macht, seit 1979, anhand der Analyse Fürtigs verfolgt werden. Es geht u.a. um das iranische Gegenstück zur Dreyfus-Affäre. Im Fall des wegen „Konspiration mit dem Zionismus“ angeklagten bekannten jüdischen Multimillionärs Habib Elghanian fand sich niemand, der den Ruf „J’Accuse!“ wagte, und niemand auch hätte ihn hören wollen. Konnte in Frankreich der zu Unrecht und aufgrund antisemitischer Motive wegen Spionage für Deutschland zu lebenslanger Verbannung verurteilte jüdische Offizier Dreyfus von einer aufgeklärten Bewegung aus Liberalen, Sozialisten und Anarchisten freigekämpft, rehabilitiert werden, fand sich im gegenaufgeklärten Iran kaum jemand, der für den jüdischen Geschäftsmann Elghanian Partei ergriff. Er wurde hingerichtet. „Weitere Exekutionen folgten, allein 1980 wurden sieben jüdische Angeklagte zum Tode verurteilt.“ (S. 81) Im gegenrevolutionären Iran der Mullahs wurden die Juden erneut ihrer bürgerlichen Rechte beraubt, den alten Bestimmungen der Dhimma unterworfen. Wenngleich die Gewalt im Folgenden nachließ, in den 1980er, ´90er, 2000er Jahren nicht die historischen, die mittelalterlichen Ausmaße annahm, wenngleich sie als Dhimmis einen gewissen rechtlichen Status besaßen, waren die Juden nicht selten Schikanen, Diskriminierungen, Restriktionen, auch Verfolgungen ausgesetzt. Noch 1997 wurde der zum Islam konvertierte jüdische Geschäftsmann Hedayatollah Zendehdel wegen „Verschwörung gegen die Islamische Republik“ hingerichtet. (S. 84f)
Diskutiert werden soll Fürtigs Text im Zusammenhang mit dem Krieg, den der Iran seit drei Jahrzehnten mittels der finanziellen, der militärischen Unterstützung der schiitisch-libanesischen Terrororganisation Hizbullah („Partei Gottes“), der sunnitisch-palästinensischen Terrororganisationen Hamas, Jihad al-Islami gegen Israel führt (S. 88ff), im Zusammenhang mit dem Aufrüstungsprogramm, welches der Iran betreibt, speziell der Entwicklung von Mittelstreckenraketen, die in der Lage sind, das Territorium des jüdischen Staates zu erreichen. Dies vor dem Hintergrund der existentiellen Bedrohung Israels durch das iranische Atomprogramm, im Zusammenhang mit einem möglichen präventiven Angriff der israelischen Luftverteidigungsstreitkräfte gegen die iranischen Nuklearanlagen.

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(1) Khomeini führte nicht die Revolution, sondern die Konterrevolution an.

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Literatur

Weinzierl, Erika: „Stereotype christlicher Judenfeindschaft.“ In: Jüdisches Museum der Stadt Wien (Hrsg.): „Die Macht der Bilder. Antisemitische Vorurteile und Mythen.“ Wien 1995, S. 130-144 (Darin dokumentiert ein antisemitischer Aufruf von 1819, in dem Juden als „Heuschrecken“ bezeichnet werden. Darin zudem dokumentiert die antisemitische Aussage einer konservativen bayrischen Zeitung aus dem Jahr 1879 von dem „politisierenden Juden“. Umkehrschluss: Deutsche, Untertanen, sind nicht politisch. Entscheidungen, Staat und Gesellschaft betreffend, überlassen sie bereitwillig der Obrigkeit. Politik – Republik, Demokratie – war einem signifikanten Teil der Hiesigen lange vor Weimar eine jüdische Angelegenheit. Entsprechend Aufgabe der Aufklärung konnte es hierzulande nie sein, die Kritik der Politik zu betreiben, wie dies in den westlichen Ländern möglich und geboten war, es konnte hierzulande allein darum gehen, die apolitischen Deutschen überhaupt erst zu politisieren, sie überhaupt erst auf die Höhe der Politik zu bringen. Mitnichten ist diese Aufgabe heute erledigt. Vergleiche daher im ersten Teil der Seminarreihe den Text von Hannah Arendt: „Was ist Politik.“ Der Nazifaschismus war nicht die Konsequenz der Politik, sondern die rückstandslose Zerstörung noch der ohnehin hierzulande unzureichend entwickelten Politik.)

Raphael, Freddy: „`Der Wucherer´“. In: Schoeps, Julius H. / Schlör, Joachim: „Antisemitismus. Vorurteile und Mythen.“ München 1995, S.103-118 (Raphael ist Professor für Soziologie an der Universität Strasbourg.)

Lewis, Bernard: „Die Juden in der islamischen Welt. Vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.“ München 2004, darin die Abschnitte S. 14f, 19f, 28f, 148-155

Fitz, Francisco Garcia: „Auf dem Weg zum Djihad. Die Toleranz im
islamischen Spanien ist nur ein multikultureller Mythos.“ („Welt – Online“ 01.06.2006) Der Autor ist Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität von Extremadura. (Übersetzung: Alexander Bronisch) http://www.welt.de/print-welt/article220620/Auf-dem-Weg-zum-Djihad.html

Rohrbacher, Stefan: „Deutsche Revolution und antijüdische Gewalt (1815
-1848/49).“ In: Alter, Peter (Hrsg.): „Die Konstruktion der Nation gegen die Juden.“ Tagungsband des Salomon Ludwig Steinheim Instituts für deutsch-jüdische Geschichte sowie des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte der Gerhard Mercator Universität – Gesamthochschule Duisburg. München 1999, S. 29-47 (Onlineversion auf: http://digi20.digitale-sammlungen.de)

Felden, Klemens: „Die Übernahme des antisemitischen Stereotyps als soziale Norm durch die bürgerliche Gesellschaft Deutschlands 1875–1900.“ (Diss. phil.) Heidelberg 1963, darin aus dem Kapitel V.:
• „2. Der Protestantismus“ (S. 91-98)
• „4. Die Übernahme nationalistischer und konservativer Einstellungen durch den Nationalliberalismus“ (S. 109-112)

Walter, Dirk: „Antisemitismus (Weimarer Republik).“ In: „Historisches
Lexikon Bayerns.“ Wissenschaftliches Online-Nachschlagewerk der Bayerischen Staatsbibliothek. (www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_44324)

Bakonyi, Rainer: „NS-Deutschland und die Ermordung der Juden Europas.“ In: Arbeitskreis Kritik des deutschen Antisemitismus (Hrsg.): „Antisemitismus – die deutsche Normalität. Geschichte und Wirkungsweise des Vernichtungswahns.“ Ca ira Verlag, Freiburg 2001, S. 89-105

Baram, Amatzia: „Der moderne Irak, die Baath Partei und der Antisemitismus.“ In: „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ 12, Berlin 2003, S. 99-119

Heni, Clemens: „’Sekundärer’ Antisemitismus. Ein kaum erforschter Teil des Post-Holocaust-Antisemitismus.“ In: „Tribüne – Zeitschrift zum Verständnis des Judentums“ (Jahrgang 47, Heft 187, 3/2008, S. 132-140) http://www.tribuene-verlag.de/TRI_Heni.pdf

Grigat, Stefan: „Melange des Hasses. Eine neue Studie beleuchtet den
Zusammenhang von Judenhass und Israelfeindschaft in Österreich.“ „Jungle World – Die linke Wochenzeitung“ Nr. 32, 08.08.2012 http://jungle-world.com/artikel/2012/32/46028.html
Der Autor ist Doktor der Philosophie und Lehrbeauftragter am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Es geht um die Studie von Prof. Maximilian Gottschlich. (siehe: Weiterführende Literatur)

Neubauer, E. / Dockerill, D. / Odd, R.: „Die Linkspartei, der Antisemitismus und Israel. Quereinstieg in eine laufende Debatte.“ In: KONKRET (Heft 09/2011)

Schmidt, Philipp: „Kein Frieden mit links. Über den Antisemitismus in der Linkspartei.“ In: KONKRET (Heft 07/2011) http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=keinfriedenmitlinks&jahr=2011&mon=07

Fürtig, Henner: „Die Bedeutung der iranischen Revolution von 1979 als
Ausgangspunkt für eine antijüdisch orientierte Islamisierung.“ In: „Jahrbuch für Antisemitismusforschung“ 12, Berlin 2003, S. 73-98

Grundlagenliteratur

Horkheimer, Max / Adorno, Theodor W.: „Elemente des Antisemitismus.
Grenzen der Aufklärung.“ (nur die Abschnitte I-VI, S. 177-209) In: „Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente.“ Frankfurt a. M. 2008

Arendt, Hannah: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“. München 1986 (4. Aufl. 1995), darin:
• I. 1 „Antisemitismus und der gesunde Menschenverstand“ (S. 25-37)
• II. 6 „Völkische Verbundenheit als Ersatz für nationale Emanzipation“ (S. 277-285)
• II. 8 „Der kontinentale Imperialismus und die Panbewegungen“ (S. 358-366)
• II. 8 „Der völkische Nationalismus“ (S. 366 bis hier nur S. 373)

Sartre, Jean Paul: „Reflexions sur la question juive.“ Paris 1954

Sartre, Jean Paul: „Überlegungen zur Judenfrage.“ Übersetzt von Vincent von Wroblewsky. Gesammelte Werke in Einzelausgaben. Reinbek bei Hamburg 2010

Lewis, Bernard: „Die Juden in der islamischen Welt. Vom frühen Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert.“ München 2004

Wistrich, Robert S.: „A Lethal Obsession. Anti-Semitism from Antiquitiy to the Global Jihad.” New York: Random House, 2010, 1185 Seiten

Wistrich, Robert S.: „Muslimischer Antisemitismus. Eine aktuelle Gefahr.“ Berlin 2012

Weiterführende Literatur

Scheit, Gerhard: „Verborgener Staat, lebendiges Geld. Zur Dramaturgie des Antisemitismus.“ Ca ira Verlag, Freiburg 1999²

Puschner, Marco: „Antisemitismus im Kontext der politischen Romantik.
Konstruktionen des ‚Deutschen’ und des ‚Jüdischen’ bei Arnim, Brentano und Saul Ascher.“ Tübingen 2008, zugleich Dissertation an der Universität Erlangen-Nürnberg 2007 unter dem Titel: „’Deutsche’ und ‚Juden’“.

Hortzitz, Nicoline: „Früh-Antisemitismus in Deutschland (1789–1871/72).“ Tübingen 1988

Felden, Klemens: „Die Übernahme des antisemitischen Stereotyps als soziale Norm durch die bürgerliche Gesellschaft Deutschlands 1875–1900.“ (Diss. phil.) Heidelberg 1963, darin aus dem Kapitel V.:
• „1. Die Konservativen“ (S. 85-91)
• „3. Der Katholizismus“ (S. 98-108)

Claussen, Detlev: „Vom Judenhass zum Antisemitismus. Materialien einer
verleugneten Geschichte.“ Darmstadt Neuwied 1987, darin:
• „Der Berliner Antisemitismusstreit – Auch ein Historikerstreit.“ (S. 110-136) Dieses Kapitel dokumentiert den antisemitischen Text „Unsere Ansichten“ des preußischen Historikers Heinrich von Treitschke aus dem Jahr 1879, darin die später von den Nazis aufgegriffene Hetzparole: „Die Juden sind unser Unglück“.

Greive, Hermann: „Geschichte des modernen Antisemitismus in Deutschland.“ Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988

Whyte, George R.: „Die Dreyfus-Affäre. Die Macht des Vorurteils.“ Frankfurt a.M. 2010, darin:
• „Das Gesetz zur Trennung von Staat und Kirche“ (S. 402f)
• „Verkündung von Dreyfus’ Unschuld“ (S. 404f)
• „Dreyfus’ Entlastung“ (S. 405f)

Larkin, Maurice: “Church and State after the Dreyfus Affair. The Seperation Issue in France.” London 1974, darin:
• “Introduction” (nur S. 1-4)
• „The Dreyfus Affair – Before and After“ (nur S. 63-72)

Behrens, Ulrich: „Die Affäre Dreyfus.“ Rezension des gleichnamigen
französischen Films des Regisseurs Yves Boisset aus dem Jahr 1995: „Der Film (zeigt) die Bedeutung eines Teils der französischen Publizisten, Intellektuellen und auch Politiker (vor allem der Linken und Republikaner) für die Aufklärung der Affäre Dreyfus … Auf der einen Seite standen Konservative, katholische Kirche, ein Großteil der Publizistik, die nicht nur antisemitisch waren, sondern für die auch Staatsräson, Gehorsam, militärische Stärke Vorrang vor allem anderen, vor allem vor Demokratie und Menschenrechten, hatten. Auf der anderen Seite stehen Republikaner, Sozialisten und zunächst einige wenige Publizisten und Zeitungen, die letztlich auf die positiven Errungenschaften der Französischen Revolution rekurrierten, darauf pochten, dass rechtsstaatliche Verfahren, Menschenrechte und insgesamt Demokratie im Vordergrund des gesellschaftlichen Lebens zu stehen hatten. ‚J’accuse’ wird noch heute als eine Art ‚Gründungsurkunde’ einer reformierten französischen Gesellschaft eingeschätzt und vor allem als Dokument, das fortan die kritische Aufgabe der Intellektuellen in der Gesellschaft begründete … Die Folgen der Affäre … waren drastisch. Die katholische Kirche, in ihren moralischen Vorstellungen reaktionär und rigide, eine Speerspitze des Antisemitismus, wurde nach der Freilassung von Dreyfus quasi entmachtet. Über 2.500 kirchliche Schulen wurden geschlossen, Mitglieder von Ordensgemeinschaften durften nicht mehr als Lehrer arbeiten. Am 9.12.1905 hob ein Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat das Konkordat mit dem Vatikan einseitig auf, die Finanzierung der Kirchen durch den Staat wurde abgeschafft, Religionsunterricht wurde an den Schulen aus einem Pflichtfach zu einer freiwilligen Angelegenheit erklärt, das Kruzifix aus den Schulen verbannt.“ (www.filmzentrale.com/rezis/affaeredreyfusub.htm)

Rockaway, Robert A.: „Beschützer ihres Volkes.“ In: „Meyer Lansky, Bugsy Siegel & Co. Lebensgeschichten jüdischer Gangster in den USA.“ Konkret Literatur Verlag, Hamburg 1998, S. 213-240 (Diese packend geschriebene Sozialstudie handelt von den ziemlich wirkungsvollen, oft mit Baseballschlägern, Eisenstangen, Schlagringen und anderem Gerät geführten Straßenschlachten und Saalkämpfen jüdischer Gangster gegen die in den dreißiger Jahren in den USA aufkommende, vielfach von deutschen Einwanderern getragene Nazibewegung. Es gab eine Menge Arbeit für den Zahnarzt, einen Haufen gründlich demolierter Autos, ungezählte Rippen, Arm-, Bein- und sonstige Knochenbrüche, hier und da auch einen Schädelbruch – aber keinen einzigen Toten. Die Nazibewegung konnte solchermaßen niedergehalten werden.)

Gutman, I. / Jäckel, E. / Longerich, P. / Schoeps, J. H. (Hrsg.): „Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden.“ 4 Bände, München 1998²

Mallmann, Klaus-Michael / Cüppers, Martin: „’Exekutivmaßnahmen gegenüber der Zivilbevölkerung in eigener Verantwortung’: Das Einsatzkommando bei der Panzerarmee Afrika.“ In: „Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina.“ Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2011 (Die Autoren erforschten, daß es auch bei der Panzerarmee Afrika eine Einsatzgruppe gab, deren Aufgabe es sein sollte, in Ägypten, später in Palästina den Massenmord an der jüdischen Bevölkerung zu organisieren. Befehlshaber war der SS-Führer Walther Rauff, der zuvor die Gaswagen hatte konstruieren lassen, die bei der Vernichtung der sowjetischen und serbischen Juden verwendet wurden. Das Einsatzkommando bestand nur aus 24 Mann, es sollte wahrscheinlich später vergrößert werden, vor allem aber rechnete man darauf, zahlreiche arabische Kollaborateure rekrutieren, mit ihrer Hilfe den Massenmord realisieren zu können.)

Gebert, Malte: „Die Rezeption der ‚Protokolle der Weisen von Zion’ in
Ägypten.“ In: „Medaon – Magazin für jüdisches Leben in Forschung und Bildung“, 5. Jg., 2011, Nr. 9, S. 1-15, online unter: http://medaon.de/pdf/A_Gebert-9-2011.pdf

Matussek, Carmen: „Der Glaube an eine ‚jüdische Weltverschwörung’. Die
Rezeption der ‚Protokolle der Weisen von Zion’ in der arabischen Welt.“ Reihe Politikwissenschaft, Bd. 188, LIT-Verlag, Münster 2012

Gottschlich, Maximilian: „Die große Abneigung. Wie antisemitisch ist
Österreich? Kritische Befunde zu einer sozialen Krankheit.“ Wien 2012

Schmidt, Holger: „Antizionismus, Israelkritik und ‚Judenknax’. Antisemitismus in der deutschen Linken nach 1945.“ Bonn 2010 (Der Autor ist Diplom-Politologe, Fraktionsgeschäftsführer der Linkspartei im Stadtrat von Bonn)

Broder, Henryk M.: „Der Antisemit nimmt dem Juden prinzipiell alles übel, auch das Gegenteil.“ Vorwort zu: Landmann, Michael: „Das Israelpseudos der Pseudolinken.“ Ca ira Verlag, Freiburg i.Br. 2013

Elsässer, Jürgen: „Antisemitismus – das alte Gesicht des neuen Deutschland.“ Dietz Verlag Berlin 1992

Küntzel, Matthias: „Djihad und Judenhaß. Über den neuen antisemitischen Krieg.“ Ca Ira Verlag, Freiburg 2002

Ergänzende Literatur

DGB-Bildungswerk Thüringen e.V.: „Das Feindbild des `jüdischen
Wucherers´.“ Baustein zur nicht-rassistischen Bildungsarbeit.
http://www.baustein.dgb-bwt.de/C2/Wucherer.html

Lehman, Klaus-Peter: „Jüdischer Wucher – das Vorurteil vom geldgierigen Juden.“ In: „BLICKPUNKT.E“ – Materialien zu Christentum, Judentum, Israel und Nahost. (Nr.2 April 2009) http://www.imdialog.org/bp2009/02/inhalt.html

Seidel, Ingolf: „Historischer Exkurs: Die Fixierung der Juden in der
Zirkulation.“ In: „Antisemitismus aus kritisch-theoretischer Sicht. Möglichkeiten und Grenzen politischer Bildungsarbeit in einem gesellschaftlichen Problemfeld.“ http://www.hagalil.com/antisemitismus/kritische-theorie/041.htm

Marx, Karl: „Die Kriegserklärung – Zur Geschichte der orientalischen Frage.“ („New York Daily Tribune“, 15. April 1854) Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Band 10, S.168-176, Berlin / DDR 1961
http://www.mlwerke.de/me/me10/me10_168.htm

Pätzold, Kurt (Hrsg.): „Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung. Dokumente des faschistischen Antisemitismus 1933 bis 1942“. Reclam Verlag, Leipzig, DDR 1984²

Deutsches Historisches Museum: Dokumentation des nationalsozialistischen Wahlplakats zur Abstimmung über den „Anschluß“ Österreichs: „Ein Volk – ein Reich – ein Führer!“ (www.dhm.de/lemo/objekte/pict/20011300/) Vgl. die Aussage des antisemitischen preußischen Hofpredigers Adolf Stoecker: „Mit Gott und unserem Kaiser ein Volk, ein Haus, ein Heer“. (Felden 1963, S. 95)

Milgram, Avraham / Rozett, Robert: „Der Holocaust.“ Bundeszentrale für
politische Bildung / Gedenkstätte Yad Vashem. Jerusalem 2005 / Göttingen 2011 (www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/125737/der-holocaust)

Ben-Ari, Gal: „Die Saat des Hasses. Juden und Israel in den arabischen
Medien.“ Holzgerlingen 2002 (Gal Ben-Ari ist ein von der israelischen Botschaft Berlin vergebenes Pseudonym.)

Nordbruch, Götz: „Israel und die Juden als Bedrohung der Gemeinschaft.
Verschwörungstheorien in der ägyptischen Öffentlichkeit.“ In: Kurth, Alexandra (Hrsg.): „Insel der Aufklärung. Israel im Kontext.“ Schriften zur politischen Bildung, Kultur und Kommunikation. (Bd.3) Giessen 2005

Himpele Klemens: „Antisemitismus in arabischen Staaten.“ Saarbrücken 2008

Konterliteratur

Finkelstein, Norman G.: „Antisemitismus als politische Waffe. Israel, Amerika und der Missbrauch der Geschichte.“ München 2007

Bunzl, John / Bar-Tal, Daniel: „Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost.“ Hamburg 2008

Schiffer, Sabine / Wagner, Constantin: „Antisemitismus und Islamophobie. Ein Vergleich.“ Wassertrüdingen 2009

Zuckermann, Moshe: „Antisemit! Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument.“
Wien 2010

Benz, Wolfgang: „Antisemitismus und ‚Islamkritik’. Bilanz und Perspektive.“ Berlin 2011

Benz, Wolfgang: „Was früher Talmud-Hetze war, ist heute Koran-Hetze.“ Interview in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ (Online: 02.10.2014) http://derstandard.at/2000006304947/Was-frueher-Talmud-Hetze-war-ist-jetzt-Koran-Hetze

Peter Ullrich: „Deutsche, Linke und der Nahostkonflikt. Politik im Antisemitismus- und Erinnerungsdiskurs.“ Göttingen 2013

Aust, Jürgen: „Perfides Ablenkungsmanöver. Ist die LINKE in Teilen
antisemitisch? Jürgen Aust weist diesen auch in den eigenen Reihen formulierten Vorwurf zurück.“ In: „Neues Deutschland“ (02.08.14)

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Der schiitisch-islamische Antisemitismus – Von Persien auf deutschem Sonderweg zur iranischen Atombombe

Der neue „Präsident“ des Iran, Hassan Ruhani, wird hierzulande als Reformer gehandelt. Er sei moderat, pragmatisch, gemäßigt. Die „Frankfurter Allgemeine“, führende deutsche Tageszeitung, schrieb im Anschluß an dessen Wahl-Farce-Sieg von einer „neuen Sanftheit“. Für Israel werde es nun schwieriger, frohlockte „Die Zeit“, „die Welt davon zu überzeugen“, der Iran sei eine „existentielle Gefahr“.
Der Referent, Sozialwissenschaftler, analysiert das Atomprogramm des islamischen Gottesstaats Iran im Zusammenhang mit dessen jihadistischer, antisemitischer Ideologie und Praxis. Es geht um den Krieg, den der Iran seit drei Jahrzehnten mittels der finanziellen und militärischen Unterstützung der libanesischen Terrororganisation Hizbullah, später auch der palästinensischen Terrororganisationen Hamas und Jihad Islami gegen den jüdischen Staat führt. Es geht um das breit angelegte, umfassende Aufrüstungsprogramm, das der Iran seit langem betreibt, inklusive der Entwicklung von Raketenträgersystemen, die in der Lage sind, Israel zu erreichen.
Wenngleich die jüdische Minderheit im Gottesstaat Iran über einen gewissen, einen begrenzten rechtlichen Status verfügt, ist ihre Situation keineswegs frei von Einschränkungen, Restriktionen, Diskriminierungen, auch Verfolgungen. So gab es im Anschluß an die Machtergreifung der Mullahs 1979 eine Welle von Schauprozessen wegen „Spionage“ für Israel, mit Todesurteilen und Hinrichtungen. Seinerzeit ergriffen „viele Tausend“ die Flucht (Fürtig). Wenngleich die Lage im Folgenden sich beruhigte, solche Gewalt nicht die Regel war, haben seither „über die Hälfte der iranischen Juden“ das Land verlassen („Neue Züricher Zeitung“). Lebten vor 1979 noch 100.000 Juden im Iran, waren es 2009 nur mehr 25.000 („Jüdische Zeitung“). Noch im Jahr 2000 gab es einen Schauprozess gegen zehn Juden, darunter einen Rabbiner, darunter Religionslehrer und Gemeindevorsteher, wegen „Spionage“ für Israel, wegen „Weltbürgertum“ („Die Welt“, hagalil.com).
Der Vortrag analysiert den Charakter des schiitisch-islamischen Regimes vor dem historischen Hintergrund, daß gegenaufgeklärte, speziell auch religiöse Kräfte Persien vor und während des Ersten Weltkriegs an die Seite des deutschen Militarismus geführt haben, Iran vor und während des Zweiten Weltkriegs an die Seite des deutschen Faschismus. Gestützt u.a. auf Studien des Islamwissenschaftlers Bernard Lewis, des Nahostwissenschaftlers Henner Fürtig zeigt der Referent, daß der historische, der mittelalterliche schiitische Islam den Juden immer schon radikaler und gewalttätiger gegenübergetreten ist als der sunnitische. Der schiitische Islam kann – hier wieder dem sunnitischen gleich – vor allem eines nicht dulden: das ungläubige Minderheiten, Juden, über Macht verfügen, bewaffnete, also staatliche Macht. Die existenzielle Bedrohung Israels durch das iranische Atomprogramm besteht darin, daß die schiitische Gottesherrschaft sich mit einem jüdischen Staat in einem Teil der Welt, den sie als islamisch betrachtet, niemals abfinden wird.

Vortrag und Diskussion, 19. Dezember 2013, 20:00 Uhr, Jugend- und Kulturzentrum Druckluft, Abendkursreihe „Kritische Theorie heute“ des Bildungswerks der Ruhrwerkstatt Oberhausen. Ein Projekt gemeinsam mit Antifa 3D D-Day Duisburg.

Karl Selent ist Lehrbeauftragter an der Universität Duisburg-Essen. Er gibt im WiSe 2013/14 ein Seminar zum Thema „Traditionalismus, Nationalismus und Antisemitismus im Nahen Osten 1945 bis heute“. Selent war mehrfach Lehrkraft für das Bildungswerk der Ruhrwerkstatt Oberhausen.

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Ein Schmierfink der „Jungen Freiheit“ über den Veranstaltungsort der Vorträge zur Dialektik der Gegenaufklärung, das Oberhausener Jugend- und Kulturzentrum Druckluft

Die beiden letzten Sätze des Schmutzartikels zielen auf den ersten von dem Sozialwissenschaftler Karl Selent gehaltenen Vortrag zur Dialektik der Gegenaufklärung. As we said: Kleine Vortragsveranstaltung ganz groß

Die beiden letzten Sätze des Schmutzartikels zielen auf den ersten von dem Sozialwissenschaftler Karl Selent gehaltenen Vortrag zur Dialektik der Gegenaufklärung. As we said: Kleine Vortragsveranstaltung ganz groß

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