Karl Marx / Friedrich Engels: Die Deutsche Ideologie

Im dritten Teil der Seminarreihe soll, die zweite Hälfte des zweiten Teils fortsetzend, weiter jene Gegenaufklärung thematisiert werden, wie sie in den deutschen Fürstentümern, in der deutschen Nationalbewegung als „romantische Reaktion“ (Franz Mehring) auf die französische Aufklärung, die französische Revolution, die napoleonische militärische Präsenz wirkmächtig geworden ist. Es soll der „Sieg der Romantik“ (Franz Mehring) bis hin zum verhängnisvollen Scheitern der bürgerlich-demokratischen Revolution von 1848 thematisiert werden. Anhand der Vorbemerkung zu, eines Textes aus Friedrich Engels Werk „Der deutsche Bauernkrieg“ soll die Niederlage bereits der frühbürgerlichen Revolution von 1525 vergegenwärtigt werden, jene historische Verspätung diskutiert werden („Die Folgen des Bauernkriegs“), die neben anderen Entwicklungen ursächlich für das Scheitern von 1848 war. Über die Lektüre von Schriften zweier Kritiker, die von den gegenaufgeklärten deutschen Mächten, von der Gegenrevolution ins Exil getrieben wurden, in aufgeklärten, revolutionären Ländern (Frankreich, Belgien, Großbritannien) Aufnahme fanden – die Rede ist von Karl Marx und Friedrich Engels –, sollen die „Deutschen Zustände“ thematisiert werden. Über die Lektüre ausgewählter Kapitel der Marx-Engelsschen Schrift „Die Deutsche Ideologie“ sollen Strömungen, Tendenzen des gegenaufgeklärten Denkens diskutiert werden:
• „Der politische Liberalismus“ deutscher Ausprägung, wie er sich im Unterschied, im Gegensatz zum französischen entwickelt hat.
• Der Antiamerikanismus (am Beispiel des von Marx/Engels vorgeführten Autors Karl Grün).
• Der irrationale Antikommunismus (am Beispiel des von Marx/Engels vorgeführten Autors Georg Kuhlmann).
• Der deutsche Sozialismus („Kritik des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten. Der ‚wahre Sozialismus’“)
Letzterer Punkt kann wahlweise auch anhand einer Passage aus dem „Manifest der Kommunistischen Partei“ diskutiert werden: „Der reaktionäre Sozialismus“, darin der Abschnitt c. „Der deutsche oder ´wahre´ Sozialismus“ (siehe die ergänzenden Literaturangaben). Gelesen wird die Einleitung „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, in welcher Marx seine Kritik der gegenaufgeklärten deutschen Verhältnisse am schärfsten zum Ausdruck gebracht hat.
Zusammenfassen den dritten Teil der Seminarreihe Texte aus einem zentralen Werk der Politischen Theorie: drei Kapitel aus Hannah Arendts „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ („Völkische Verbundenheit als Ersatz für nationale Emanzipation“, „Der kontinentale Imperialismus und die Panbewegungen“, „Der völkische Nationalismus“). Diskutiert werden soll „Über deutschen und nichtdeutschen Chauvinismus“ (Lenin!). Es geht, mit Arendt gesagt, um den Unterschied zwischen dem Nationalismus französisch-republikanischer Prägung und dem deutschen völkischen Nationalismus. Es geht, mit dem Titel eines Artikels von Rosa Luxemburg gesagt, um die „Verteidigung der (polnischen, D.D./K.S.) Nationalität“ gegen den deutschen völkischen Nationalismus. Es soll, auf der Basis der genannten Texte von Arendt, thematisiert werden, worauf das antifranzösische, antiamerikanische, antipolnische, antikommunistische „Denken“ der Gegenaufklärung hinauslief:
„Da in Deutschland der Kampf zwischen Adel und Bürgertum nie zur Austragung gekommen ist … Nachdem es dem deutschen Bürgertum nicht gelungen war, eine politische Emanzipation zu erkämpfen … In diesem Fall haben die Juden die Rechnung bezahlt. Denn … (es) waren der Mangel an ‚angeborener Persönlichkeit‘, an Takt, an Produktivität, die angeborene Neigung zum Geschäftemachen, kurz alle die Eigenschaften, welche der Adel am Bürgertum auszusetzen beliebte, den man auf andere, nämlich die Juden, abschob. Charakteristisch in diesem Bemühen, sich zu distanzieren, ist der Mangel an Zivilcourage nach allen Seiten. … Von da ab ist das deutsche nationalistische Bürgertum nicht müde geworden, andere Völker mit den Prädikaten zu belegen, mit denen der deutsche Adel das deutsche Bürgertum belegte – erst die Franzosen und Engländer und immer wieder die Juden.“ (S. 282ff)

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