Im Osten viel Neues. Wie Erich Ludendorff ab 1915 deutschen Lebensraum im Osten schaffen wollte und die jüdische Bevölkerung drangsalieren ließ

Am 4. August 1915, ein Jahr nach Kriegsbeginn, eroberten die Deutschen Warschau mit seinen etwa 300.000 jüdischen Einwohnern, bald darauf Kongresspolen und Litauen, wo über zwei Millionen Juden lebten. Die deutsche Heeresleitung bildete dort ein deutsches Generalgouvernement, das zunächst unter Zivilverwaltung, das nordöstliche Territorium unter Militärverwaltung eines deutschen Oberbefehlshabers gestellt wurde. Kongresspolen sowie große Teile des Baltikums, Litauen und Kurland wurden in der deutschen Militärsprache als „Land des Oberbefehlshabers Ost“ – kurz: Ober-Ost – bezeichnet. Hier erhielt Erich Ludendorff, der starke Mann der Militärführung im Osten – seit August 1916 neben Paul von Hindenburg Chef der Obersten Heeresleitung -, die einmalige Gelegenheit, eine Utopie zu verwirklichen: nämlich ein besetztes Territorium ganz nach seinen Vorstellungen neu zu ordnen, in dem die dort lebenden Juden keinen Platz hatten. So wurde die Verfolgung der Ostjuden sozusagen das Vorzeigemodell für den Holocaust ein Vierteljahrhundert später.

Vortrag und Diskussion, 5. März 2015, 20:00 Uhr, Jugend- und Kulturzentrum Druckluft, Abendkursreihe „Kritische Theorie heute“ des Bildungswerks der Ruhrwerkstatt Oberhausen.
Ein Projekt gemeinsam mit Antifa 3D D-Day Duisburg

Kurz-Vita des Referenten:

Priv.-Doz. Dr. L. Joseph Heid, Historiker, Literaturwissenschaftler, Publizist, Promotion 1982 (Universität Duisburg), Habilitation 1993 (Universität Potsdam), Venia legendi für Neuere Geschichte. Lehrbeauftragter der Universität DU-E. Zahlreiche Publikationen zur deutsch-jüdischen Beziehungs- u. Literaturgeschichte, Sozialgeschichte (Arbeiterbewegung) und zum Ostjudentum, u.a.: Von der Zunft zur Arbeiterpartei. Die Social-Demokratie in Duisburg 1848-1878 (1983); Arbeit und Alltag im Revier. Arbeiterbewegung und Arbeiterkultur im westlichen Ruhrgebiet im Kaiserreich und in der Weimarer Republik (1985); Deutsch-Jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert (1992); Maloche – nicht Mildtätigkeit. Ostjüdische Arbeiter in Deutschland 1914-1923 (1995); Der ewige Judenhass (2000); Oskar Cohn. Ein Sozialist und Zionist (2002); Eduard Bernstein-Edition (2004); Ostjuden im Ruhrgebiet (2011); Peter Blachstein-Biographie (2014); freier Mitarbeiter u.a.: Süddeutsche Zeitung; DIE ZEIT; Die Welt; Der Freitag; Jüdische Allgemeine. Mitherausgeber der Judacia-Reihe des Campus-Verlages Frankfurt.

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